Mittwoch, 18. Mai 2022

krieg eier kuchen freude friede frei

von René Bauer


wer im krieg den frieden sucht findet oft nur zerbröselte eierschalen 

und begeistertes tortenwerfen

da weinen die clowns in der arena und die kinder spielen umbringen am nachmittag

zwischen schrapnell und patronenhülsen

wehleidige fratzen legen sich epidemisch über die angesichter der alten

die in neu gefundener infantilität sich hinterfotzig für ein wiederholtes großes sterben einsetzen

ein lautes bitzeln und zähneknirschen hallt opulent durchs ganze land

als ein warnendes donnergrollen 

übertönt selbst die urlaubsstaus

der kaiser reitet wieder über die gräber der längst gefallenen und holt hervor aus der erde

die geilen mit ihren zerfetzten gliedern

holt hervor die schlurfenden versehrten aus ihren wurmzerfressenen holzkisten

die geifernden untoten mit ihren verwesten gehirnen

frohlockend und zuckend tanzen sie den charleston auf der schlachtfelddisco

im wummernden artilleriefeuer im gleißenden atomblitz

ein mg-stroboskop tackert die sechzehntelnoten im trommelfeuer

den beat auf 2 und 4 hämmern haubitzen

die herabfallenden bomben jaulen backing vocals

das fernsehen spielt unter vorgehaltener pistole einen appell und eine fanfare

die druckerpresse begleitet am schlagzeug

dann folgt der genickschuss und die ungeduldigen generäle treten sie in eine feuchte grube


im sternenleeren himmel hängt der trübe mond 

herab steigt ein gewaltiger geflügelter engel mit elefantenzähnen und rotluchsohren

mit vier armen und einer blanken klinge in jeder hand

und brüllend lachend schneidet er dargebotene hälse durch

hackt lustig wackelnde köpfe ab

dann jonglieren sie mit granaten

dann schießen sie sich die kleider vom leib

dann hängen sie autobatterien an ihre hoden

vergnügen sich in der schaumdusche

bespucken sich mit mundschaum

lassen schaumwein aus den flaschenhälsen quellen und entspannen sich beim waterboarding

schieben sich glühende nadeln unter die fein gesäuberten fingernägel 

ganz ganz langsam dass sie zittern und lustvoll schreien und es nach fischmilch riecht

die männer

es sind männer 

sie binden sich ihre kleinen schrumpelschwänzchen auf raketen

binden sich ihre eier auf die raketen und zünden

zünden und fliegen über alle stufen hinauf

in die wolken ins all 

fliegen mit ihren zwischen die beine gebundenen raketen in schwarze löcher auf dass sie verschluckt werden denn schwarze löcher schlucken immer

der rest jubelt johlt

säuft nitroglyzerin 

springt auf der tanzfläche bis es den magen zerreißt

oder wird übermannt vom schlaf


doch am morgen ist ihnen kalt

der kaiser ist ersoffen im fluss

der engel war aus pappmaché der mond ist fern

mehr als die hälfte findet nicht mehr heim

dann greinen sie schluchzen sie 

dann sind sie arm und zu ihrer mama gehen sie und sagen: Nie wieder. Nie wieder. 

Und sie sagt: Schsch. 

und nimmt sie in den arm

Nie wieder.

und wiegt und schaukelt sie

Nie wieder.

und schließt ihnen die augen

Nie wieder und sie gähnen.

und sie schließt ihnen die augen, mit den daumen drückt sie 

die augen ihnen in den kopf bis sie still sind.

und endlich ist ruhe. 

Montag, 2. Mai 2022


 Am Dienstag, den 10. Mai 2022 lesen anlässlich der GAV-Veranstaltung 'Freiheit des Wortes' nicht weniger als vier Mitglieder der GAV Oberösterreich (Johann Kleemayr, Kurt Mitterndorfer, Luis Stabauer und ich) im Literaturhaus in Wien. Oberösterreichbezug hat außerdem auch noch Gerda Sengstbratl, die in St. Georgen am Walde geboren wurde.

Apfent, Apfent, das Auge tränt 6.0 – Keks, Drugs N' Rock N' Roll

Die große Weihnachts-Lesebühne der GAV OÖ 20. Dezember, 19.30 Uhr, Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße, 4040 Linz). Eintritt frei!...