Mittwoch, 21. Oktober 2020

BABELinz #turmblau: Lesung im Theater Phönix

Ausgehend von Herbert Christian Stögers literarischem Projekt "BABELinz" und dem Instagram-Profil „turmblau“, gestalteten Autorinnen und Autoren der GAV OÖ eine Text-Bild-Lesung zum Thema Verwirrung.
Eine Auswahl von Texten und Bildern erscheint demnächst in der Publikation X-BLATT Nr. 7, Hefte für Literatur der GAV OÖ.

Text und Fotos: Dominika Meindl

René Bauer zeigte Stierschädel, die Falten seiner Frau, unbotmäßige rote Bälle, die melancholischen Reste eines Moorbades und Füße in der Suppe, dazu verlas er seine Assoziationen in lyrischer Verdichtung (was generell für alle Vortragenden zu sagen ist).

Christian Futscher, der sich mit seinen "Morgenbetrachtungen" dem Insta-Gebot "schöner als im echten Leben" aufs schönste entzog, las aus dem ebenso betitelten Buch, das Erika Kronabitter herausgegeben hat. Er echauffiert sich über das Gedöns rund um die Frisur und beschreibt seinen Grant auf Hugh Grant. Dazu Texte aus dem "Trinkertagebuch" und "Wer einsam ist in der großen Stadt".


Angelika Ganser konzentrierte sich auf die Texte, dazu zeigte Stöger eine Serie an Türmen. Ganser schrieb über das Schreiben, ihre Poetologie, über die Umgebung ihres Schreibens. Es ging etwa um das Stocken des Wortflusses, um das Wahrnehmungssieb der Worte und um die Frage, ob man unbeirrt an der Autorschaft festhalten solle.


Peter Hodina trug direkt aus dem #turmblau-Account vor, sein Fokus lag auf der Quarantänezeit im Februar und März, dem Lockdownschock: Der tote Hund führt zur Frage, ob man jetzt selbst bellen müsse (nein), seine Abwesenheit "beißt sich fest". In tiefkaltem Coronablau steht der Gaisberg da, in Wien verwirrt ein janusköpfiger Handspiegel, in Salzburg episkopale Stadtmöblierung. Der St. Nimmerleinszug ist so obsolet, dass hinter ihm gleich die Gleise abgetragen werden.


Dominika Meindl (Foto: René Bauer, rührige Hände links: Herbert Christian Stöger) zeigte autobiographische Bilder von ihren Ausflügen; der kürzeste führte in den vollgeräumten Keller, der weiteste in einen verwunschen Wald im tiefsten Friaul. In Schärding werden Hühner getötet, im weglosen Toten Gebirge spottet sie über Socken, auf denen "links" und "rechts" steht. In Hallstatt werfen Chinesen den verwöhnten Schwänen vergebens Pommes frites zu.

 
Wally Rettenbacher lud gemäß André Breton zu assoziativem Wandeln; sie unterlegte ihre Bilder mit einer zweiten, akustischen Spur. So switchte sie zwischen dreierlei Jetlags und einer Multitude an Orten: "grelle Güte in Zellophan verpackt am Flughafen in Dubai, der in Wahrheit eine einzige Mall ist. Klebende Hitze in Bangkok kurz vor der Pandemie (dort ist auch ein Teil ihrer Texte entstanden). In München ist sie schon "17 Stunden unterwegs, keinesfalls hier". "Jeder Atemzug stirbt, der Atem bleibt."




Dienstag, 13. Oktober 2020

Utopische Nacht mit ungewissem Ausgang

von Corinna Antelmann

Zukunft muss man gemeinsam träumen, steht in dem Buch Die Psychotische Gesellschaft von Ariadne von Schirach (übrigens eine Leseempfehlung). Neue Begriffe ermöglichen neues Denken und damit vielleicht auch eine andere Beziehung zur Welt (Seite 210).

Deshalb haben wir einen Abend mit dem Titel Utopische Nacht mit ungewissem Ausgang konzipiert, der im Alten Bootshaus in Ottensheim am 29.10. zur Aufführung kam und Vortrag, Film (Otto Saxinger, Lisa Spalt) und Publikumsgedanken zusammenzuweben suchte. Ja, gemeinsam mit Lisa Spalt entsatnd die Idee, sich von den Dystopien, die allerortens die Oberhand zu gewinnen scheinen, nicht länger irre machen zu lassen, sondern lieber zu überlegen, wie sie denn nun aussehen soll, die andere Welt, der Raum, den wir in Zukunft zu bewohnen trachten.


"Füll mich", sagt der Raum, "mach, dass etwas wird."

Deshalb das Ansinnen, gemeinsam mit dem Publikum die folgenreiche Denk- und Besinnungsarbeit zu zu leisten, die es emöglicht, eine andere Welt zu beschwören, ja, zu erschaffen, denn, wie schon Gott sagt: Thought is the firts level of creation, next comes the word, next comes action. Actions are words moving (Conversation with God, Seite 74).

Wo, wenn nicht in Ottensheim, der Gemeinde der innovativen Ideen und gelebter Gemeinschaft, ließe sich der richtige Ort dafür finden, dieses Unterfangen zu beginnen?

Einen Abend lang widmeten wir uns also der Frage: Wie können Einzelmenschen zusammenleben?, in Übereinstimmung mit ihrer Umwelt?, in Übereinstimmung mit anderen und sich selbst?, und gaben dabei Entwürfe zur Inspiration, die in den letzten 2500 Jahren die Vorarbeit leisteten für uns, hier, heute. Im Gespräch zitierten wir unter anderem Fourier, Morus, Campanella und Margaret Cavendish: Inspirationen, wie es aussehen könnte, das Paradies, nach dem wir uns sehnen. Oder nicht? Was ist zum Beispiel mit Campanellas Vorschlag: Große, schöne Frauen werden mit großen, tugendhaften Männern gepaart, dicke mit dünnen und dünne mit dicken, zum Ausgleich allen Übermaßes? Da klingt Aristophanes schon besser, wenn ihr mich fragt, wenn er die Paxagora das Zepter überlässt und sie sagen lässt: Die etwas Geringeren und Plattnasigen werden bei den Göttlichen sitzen; und wenn einer die Schönste begehrt, muss er erst einmal die Hässliche stoßen.

Und zuguterletzt wurden deshalb urdemokratisch (noch eine Leseempfehlung: Gegen Wahlen von David van Reybrouck) einige der in stiller Einzelarbeit entstandenen Vorschläge aus dem Gesamtpool gelost, um dann (ganz im Sinne der gegenwärtig praktizierten Demokratie; allerdings ohne Wahlkampf) zur Abstimmung zu gelangen. 


Die (nicht nur) OttensheimerInnen kreierten somit schlussendlich eine Welt, in der unter anderem Arbeit als erfüllend empfunden wird, statt als Gegensatz zum "Leben", es eine unsichtbare Oma für die Einsamen gibt, keine Formal1-Rennen mehr stattfinden und alle gemeinschaftlich MITEINANDER leben.

Und so und so -

- so machen wirs.

Und die Liebe wird zur Hauptbeschäftigung (das füge ich mit Fouriers Worten einfach mal kommentarlos hinzu) ...

BABELinz #turmblau: Lesung im Theater Phönix

Ausgehend von Herbert Christian Stögers literarischem Projekt "BABELinz" und dem Instagram-Profil „turmblau“, gestalteten Autorinn...