Freitag, 18. Juni 2021

Alle Neuen! Präsentationslesung am 30. Juni

Acht neu aufgenommene Mitglieder der GAV stellen sich vor

30. Juni, 19:30, bei Schönwetter im Garten vor dem Kulturverein Strandgut


Es lesen: Peter Assmann, Eva Fischer, David Fuchs, Marlene Gölz, Christine MackMieze Medusa, Barbara Rieger, Luis Stabauer. Moderation und Gespräch: Dominika Meindl

Mit 69 Mitgliedern (Tendenz steigend) stellt die GAV OÖ die größte Vereinigung von SchriftstellerInnen in Oberösterreich dar. Aus bekannt unguten Gründen konnten wir im Vorjahr die neu aufgenommenen KollegInnen mit Oberösterreich-Bezug oder Hauptwohnsitz nicht vorstellen, umso mehr freuen wir uns, dass es heuer klappt. Schön ist, dass fast zeitgleich der nächste Schwung an AutorInnen Teil unserer Vereinigung werden - die stolze Präsentation der Neuen ist 2022 also ein fixer Bestandteil unseres Veranstaltungsjahres!

Allgemeines zur GAV:

Der Name „Graz“ geht auf den Entstehungsort der basisdemokratischen Versammlung zurück: 1973 gründeten AutorInnen wie H.C. Artmann, Gerhard Rühm, Wolfgang Bauer, Ernst Jandl, die unlängst verstorbene Friederike Mayröcker oder Alfred Kolleritsch die GAV. Kulturpolitisches Engagement und die antifaschistische, emanzipatorische Haltung machen die DNA der GAV aus. Die Regionalgruppe Oberösterreich ist die größte und aktivste, sie steht in enger Verbindung mit der Zentrale in Wien, arbeitet aber als autonome AutorInnengruppe. 

Kulturverein Strandgut: 

Ottensheimer Str.25


Mittwoch, 2. Juni 2021

Start des Channels "Vorlesestunde"

Heute beginnt die erste VORLESESTUNDE auf DORF TV:
2. Juni, 19:30 Uhr: Corinna Antelmann
Weitere Termine:
16. Juni, 19:30 Uhr: Sven Daubenmerkl
30. Juni, 19:30 Uhr: Eva Fischer
14. Juli, 19:30 Uhr: Judith Gruber-Rizy
28. Juli, 19:30 Uhr: Peter Hodina
11. August, 19:30 Uhr: Siegfried Holzbauer
25. August, 19:30 Uhr: Erich Klinger
8. September, 19:30 Uhr: Hermann Knapp
22. September, 19:30 Uhr: Erika Kronabitter
6. Oktober, 19:30 Uhr: Till Mairhofer
20. Oktober, 19:30 Uhr: Kurt Mitterndorfer
3. November, 19:30 Uhr: Barbara Rieger
17. November, 19:30 Uhr: Renate Silberer
1. Dezember, 19:30 Uhr: Leopold Spoliti
15. Dezember, 19:30 Uhr: Luis Stabauer
29. Dezember, 19:30 Uhr: Robert Stähr
12. Jänner, 19:30 Uhr: Richard Wall

26. Jänner, 19:30 Uhr: Andreas Weber 

Dienstag, 25. Mai 2021

Was schreiben die Menschen, die für uns sprechen? Teil 2: Flieder fladern

Beginn einer kleinen Rezensionsreihe über KollegInnen der GAV. Von Dominika Meindl

Karin Ivancsics: Aufzeichnungen einer Blumendiebin

Es ist im Grunde einfach nicht einzusehen, dass ein Buch quasi ein einziges Mal erscheinen soll und dann entweder per kommerziellem Erfolg oder sofortiger Kanonisierung in der öffentlichen Wahrnehmung weiterleben darf – oder nach kurzer Zeit wieder in die Halbvergessenheit zurücksinkt. Viel zu viele KollegInnen wissen, was damit gemeint ist – ihre Neuerscheinungen fielen in die dummen Monate der Pandemie und damit aus dem Raster des Betriebes. Hängen bleibt nur das massiv Beworbene. Rezensiert wird nur das ganz Aktuelle. Verlegt wird nur das Erfolg Versprechende.

Umso schöner, dass der verdienstvolle Klever Verlag in diesem Frühling eine Neuauflage besorgt: „Aufzeichnungen einer Blumendiebin“ ist erstmals 1996 im Ritter Verlag erschienen. Karin Ivancsics ist Vorstandsmitglied der GAV, Sprecherin der GAV Burgenland, Präsidiumsmitglied der Erich-Fried-Gesellschaft und – gemeinsam mit Andreas Okopenko – ausgezeichnet mit dem Hertha-Kräftner-Preis (ein Beispiel von vielen).

Ihrem Text ist sein Alter nicht anzumerken, es ist ein hervorragendes Exempel gegen den Aktualitätsfetischismus. Ihn gattungsmäßig einzuordnen ist zwar nicht leicht, aber auch nicht unbedingt nötig. Das Ignorieren von literarischen, geographischen, biologischen (Gattungs-)Grenzen ist ihm wesentlich. Die titelgebende Blumendiebin lädt zur Teilhabe an einem Bewusstseinsstrom, der mal Naturlyrik im neueren Sinn ist, mal Flashback einer Reise, mal pflanzlich-menschliche Erotik. „Brauche ich einen Punkt zur Definition, außerhalb meiner Selbst eine Position, da ich mir selbst genüge und mich selbst vergesse, im Verwachsen mit der Natur?“ Kindheitserinnerungen an beerdigte Mäuse (samt geschmettertem „Näher mein Gott zu dir“, wer kennt das nicht?), Hahnenkämpfe in Mexico, Straßenszenen in Bangkok oder irgendwo in Cuba – alles ist mit allem verbunden. Klaus Taschwer hat das damals im Falter sehr treffend eine „florale Reise um den Tag in 80 Welten“ genannt. Im aktuellen Nachwort erfreut sich Petra Ganglbauer zu recht an der „poetischen Fülle“ dieser Aufzeichnungen, und am beobachtenden Ich, das „alles hereinholt, was es mit seinen Sinnen zu erfassen imstande ist“. Und man kann tatsächlich lernen, wie der Diebstahl von Topfpflanzen am besten zu bewerkstelligen ist. Die vielleicht allerwichtigste Botschaft: „Wenn du etwas anderes tust als das, was dir Freude macht, machst du dich der Verweigerung schuldig“!

Karin Ivancsics: „Aufzeichnungen einer Blumendiebin.“ Klever Verlag

Was schreiben die Menschen, die für uns sprechen? Teil 1: Die Bitte um eine gute Sterbstunde.

Beginn einer kleinen Rezensionsreihe über KollegInnen der GAV.  Von Dominika Meindl

Martin Fritz: Die Vorbereitung der Tiere / Two Princesses

Für ein Bundesland zu sprechen, daraus machen Politiker einen Fulltime-Job – Martin Fritz aber baut die GAV Tirol aus, während er glitzernde Lesebühnen inszeniert, Poetry Slams hochjazzt, Literaturwissenschaft pflegt (Dr. Mag. Mag. Phil, prack!) und Bücher schreibt. Voilà die Überleitung!

„Die Vorbereitung der Tiere“ ist nicht einfach ein lieblos aus Kurztexten zusammenklabüsertes Manuskript, sondern gereifte Slam Poetry, die verschriftlicht für sich steht (und das lässt sich ja wahrlich nicht über alle Texte dieses Genres sagen; es muss ja auch nicht jede reale Performanz in Buchstaben gezwungen werden!). Diese Sammlung ist also schon alleine ein Geschenk für alle, die diesen gleißend intelligenten Blödsinn noch einmal im Stillen nachlesen wollen. Oft hat man dem Fritz auf der Bühne zugehört und sich gewünscht, das soeben Gehörte und Verklungene gleich memorieren und bei Gelegenheit in klugen Konversationen zitieren zu können!

Hier gibt es Fußnoten zuhauf, darin eigene Erzählungen. Hier verbinden sich moralisch höchstwertige, ernsthafte Anliegen mit akademischem, elegantem Unsinn. Wenn Fritz nachweist, dass der Tiger sich für Innenarchitektur interessiert, möchte man ungern widersprechen. Oder: Der Biber „wird nicht umsonst, um an dieser stelle auch ein persönliches urteil abzugeben, er wird nicht umsonst als der helmut berger des tierreichs bezeichnet“. Die Biene etwa ist eine Dilettantin, die es gut meint. „es darf nur nie jemand etwas in die hände bekommen, das nach der art der biene gemacht ist, oder der schwindel wird gewahr.“

Neben den proaktiv anthropomorphisierenden Tierberichten erzählt Fritz von seinen Leidenschaften (Schneefräsen auf dem Balkon, so ist das halt in Tirol), Schnapsideen beim Kiffen (unter Einbeziehung von Amphibien), Abenteuern mit Installateuren (eine eigene Welt), Philosophisches zur Zeit, aber ohne Hegel (wie Pralinen bewusst ohne Schokolade) und zutreffende Klagen über Nachkriegsadventkalender, in denen die Generation X zum Beten für eine gute Sterbstunde angehalten wurde: „Wir haben ja nichts gehabt!“

„Bier ist ein Quell nur einer Freude: des Trostes, dass, wenn gar kein Bier vorhanden ist, immerhin auch kein Corona da ist.“ Ist es falsch, Fritz den Max Goldt von Innsbruck zu nennen? So doof kann jedenfalls nur der wirklich Gescheite sein. 


 

Nicht unerwähnt darf die jüngste Hervorbringung Fritzens bleiben: In der ganz und gar einzigartigen Broschüre „Two Princesses“ setzt er sich mit dem Phänomen der Produktkönigin auseinander, was speziell für uns Menschen rund um das Eferdinger Becken höchst relevant ist (#puppingergemüseprinzessin). Er nennt sie „elegante zeuginnen untergegangener industrie“ mit Verbindung zur späteren Popkultur. Die Untersuchung hat immens viel über Vergangenheit und Zukunft der Weiblichkeit zu sagen. Theoretischer Bonus: Einsichten über „diese vielleicht letzte generation von menschen, deren leben im netz nur eine einzige spur hinterlassen hat: wie schön ist es, über sie so wenig zu wissen.“ Er wundert sich darüber, wie leicht ein Produkt wie Safran von Afghanistan nach Europa kommt, und wie schwer ein Mensch.

Martin Fritz: "Die Vorbereitung der Tiere". Edition Laurin. „Two Princesses (Queens, Pt. III)“ ist in Form einer Lecture Performance hier zu sehen: https://youtu.be/NwDo4WsCSGg

Kritik an der Literaturkritik ist im Kommentarteil nicht nur möglich, sondern erwünscht! 

Donnerstag, 15. April 2021

 Eine Rezension meines neuen Romans 'Ricardi', von von Helmuth Schönauer:

Ricardi

Bei der Planlosigkeit, mit Menschen in einer konsumorientierten Gesellschaft oft ihr Leben starten, ist es geradezu verwunderlich, wie viele davon später irgendwie das Sterbebett erreichen. Die meisten freilich enden ziemlich weit weg von ihren Träumen.

Dietmar Füssel erzählt in seinem Roman „Ricardi“ von drei sogenannten Knalltüten, die in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts in der Provinzmetropole Wehrstadt eine Künstler-WG aufmachen. In einem Roman des Scheiterns wird gezeigt, wie ein Schriftsteller, ein Maler und eine Sängerin noch während ihrer Künstlerpubertät von der Kunst abgewehrt und ausgeschieden werden.

Es sind nämlich keine sogenannten Türhüter, die darauf achten, dass niemand Falscher in den Kunstbetrieb einsteigt, sondern es sind die Helden, die sich selbst nicht in die Augen sehen können und deshalb auch keinen wahrhaftigen Blick auf die Kunst zusammenbringen.

In der Rahmenhandlung räumt der Icherzähler Poschpischil den Keller auf und entdeckt Notizen zu einem Ricardi-Roman, den er als Student hat schreiben wollen. Ricardi ist der Namensgeber einer Gasse im kleinen Wehrstadt, er dürfte vor Jahrhunderten durchgereist sein und hat eine so starke Wirkung hinterlassen, dass seine Werke im Lokalmuseum hängengeblieben sind.

Wie es sich für das Aufräumen gehört, setzt sofort die Erinnerung ein, wenn man ein Stück davon in die Hand nimmt. Sofort tauchen die Geschehnisse rund um die WG auf, die Absteige war selbstverständlich zu teuer, so dass man zu Zwangsfreundschaften gezwungen war. Der angehende Maler Baccu und die angehende Sängerin Marie müssen einziehen, damit die Kosten für den einzelnen sinken. Der Erzähler versucht sie in sein Romanprojekt zu implementieren, damit wenigstens ein Hauch von Gemeinschaftssinn entsteht. Aber die Zentrifugalkräfte sind zu groß, die Künstler-WG implodiert in Wahnsinn.

Das ist zumindest beim Maler wörtlich zu nehmen, der nach einigen LSD-Aktionen in den Wahn verfällt, dass seine Bilder begehbare Räume sind, aus denen Greifarme des Schreckens herausragen. Selbst die simple Kellertür wird durch Halluzination zu einer Pforte, die stracks in die Zeitlosigkeit eines schlecht gemalten Fegefeuers führt.

Marie, die eigentlich Eduarda heißt, hat hingegen hat Probleme mit Männerbekanntschaften, welche der Erzähler regelmäßig als Arschlöcher empfindet, da er vielleicht selber eines ist und gegenüber Frauen den Verschreckten gibt.

Als der LSD-Maler in eine psychiatrische Anstalt kommt und Marie mit einer Bekanntschaft verschwindet, löst sich die WG auf. Mit dem Studium ist es nichts geworden, mit der Kunst auch nichts. Die einzig richtige Antwort auf das allgemeine Desaster ist die österreichische: Verdrängen und Vergessen.

Aber zum Österreichischen gehört es auch, dass alle einen Keller haben, worin die Vergangenheit eingesperrt ist. So sehr kann man gar nicht aufpassen, dass nicht eines Tages der Keller aufgeräumt wird und die Geschichte erneut explodiert.

Poschpischil versucht möglichst wertneutral seinen Romanversuch als echten Roman zu lesen, in dem bekanntlich eine eigene Realität zur Anwendung kommt. Beim Durchstöbern der Notizen verschwinden allmählich die Fixpunkte der Erinnerung, vielleicht hat es die WG gar nicht in der Realität gegeben und alles war von vorneherein ein Romanprojekt?

Um eine gewisse Linearität in die Erinnerung zu bekommen, macht der Erzähler etwas, was man vor allem bei Liebesbeziehungen und gescheiterten Verhältnissen nie tun darf: Er geht der Sache nach dreißig Jahren noch einmal nach und sucht Marie, von der er eine vage Adresse hat. Tatsächlich öffnet sie auf sein Läuten hin und erscheint gespenstisch abgemagert und verängstigt an ihrer Wohnungstür. Ihr Mann ist wie prophezeit ein Arschloch und schlägt sie, aber sie kann nicht weg, weil es ja kein Roman ist.

Jetzt ist allgemeine Traurigkeit angesagt, die Künstler unter dem Stern von Ricardi haben der Reihe nach versagt. Gut für die Kunst, aber schlecht für das Heldenleben.

Dietmar Füssel reizt das Genre Künstlerroman absurd genau aus, indem er vordergründig mit Klischees spielt, die bei genauerer Betrachtung mit Kunsttheorie gespickt sind. Wenn man an diesen Klischees kratzt, tut sich die pure Banalität auf, die aber wunderbar geeignet ist, um einen üppigen Sinnlichkeitskosmos zu entfalten. Der Roman endet als wundersame Würdigung des Scheiterns. 

Dietmar Füssel: Ricardi. Roman.

Klagenfurt: Sisyphus 2020. 152 Seiten. EUR 14,80. ISBN 978-3-903125-53-7.

Dietmar Füssel, geb. 1958, lebt in Ried im Innkreis.

Helmuth Schönauer 19/11/20

 


Dienstag, 13. April 2021

Komisch, dass es uns gibt!

Über Rudi Habringers neuen Roman "Leirichs Zögern"

Von Dominika Meindl

 

Ein paar herbstliche Tage im herbstlichen Leben eines alleinstehenden Mannes: Gregor Leirich hadert mit seinem Älterwerden, der Generation Y, seinem immer wieder in der friendzone endenden Liebesleben, seiner stagnierenden Karriere als freiberuflicher Historiker und Musiker. Ein langes Lamento gönnt Habringer seinem „Helden“ nicht; der handlungsauslösende (oder doch zunächst: handlungshemmende) Vorfall ereignet sich gleich zu Beginn: Nach einem Vortrag eröffnet ihm eine unbekannte Frau, dass er, Leirich, einen älteren Halbbruder habe. Die Erkenntnis zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Er muss einsehen, dass auch die eigene Familiengeschichte ein Konstrukt ist. So wird ihm der Alltag, in dem er sich eingerichtet glaubte, fraglich. „Ich war über Nacht nicht Vater geworden, wohl aber Bruder eines Bruders.“ Leirich beginnt die Frage zu quälen, warum sämtliche Ahnen bis zum Tod Stillschweigen über den unehelichen Sohn bewahrt hatten.

Bei der Recherche gerät der Historiker an die eigene Geschichte. Die „Welt war klein und gut geheizt“, erzogen wurde er mit Sprüchen wie „Wer im Frieden leben will, der leide still und dulde viel“, und dass das „kleine Glück“ mehr als ausreiche. Er denkt viel über seine allzu früh verstorbene Mutter nach, und noch mehr über seinen zweifach verwitweten Vater, der mit drei Frauen fünf Kinder gezeugt hat, eines davon als Kleinkind verlor und die drei ehelichen Kinder allein aufgezogen hat. Nach einigem Zögern(!) entscheidet Leirich sich, Offenheit zu wagen.

Eingemottete Erzählungen, gebunkerte Gefühle, verdrängte Marginalien“ nennt Leirich ein Denkprojekt, das auch den Roman gut trifft. Wiewohl nun bei Otto Müller erschienen (was ist los, Picus?!), weist Habringers neuer Roman Verbindungen zu früheren auf („Engel zweiter Ordnung“, „Was wir ahnen“), funktioniert aber ganz eigenständig. Gemein ist ihnen, dass sie in Oberösterreich und Bayern spielen. Lokalkolorit, wie etwa der „Saurüssel“, ist vorhanden, drängt sich aber nicht im Sinne verkaufsträchtiger Regionalisierung auf.

Habringer ist ganz Ähnliches tatsächlich passiert, er hat seine Überraschung über das zweite Leben seines Vaters literarisch fortgesponnen, mit der nötigen künstlerischen Distanz und viel selbstironischem Witz, etwa wenn er Leirich bemerken lässt, dass er in das „angenehm temperierte Fußbad meiner Opferrolle“ gleite. Habringer muss bei der Begriffsfindung viel Freude gehabt haben, so etwa beim „Gefühlstrottel“, beim Grübeln über „Serendipität“ oder über neue Berufe wie „Königsexperten“, „Rerserveorganisten“ und „Notlügenexperten“.

Eine bedeutsame Rolle im Roman spielt die Musik, die Habringer mindestens so beschäftigt, und die er mindestens so souverän beherrscht wie das Schreiben. Eine Passage aus einem Choral Pachelbels zeigt dem Historiker, dass der Musiker schon mehr begriffen hat: Alles „Fleisch vergeht wie Heu, was da lebet, muss verderben, soll es anders werden neu.“ Und am meisten wissen die Kinder. „Papa, es ist eigentlich komisch, dass es uns gibt“, hatte Leirichs Tochter vor Jahrzehnten schon festgestellt. Dass es uns überhaupt gibt, in unserem lebenden Fleisch, das ist schon mehr als ein kleines Glück.

Rudolf Habringer: Leirichs Zögern. Roman. Otto Müller Verlag, 302 S., 25 €

Kritik an der Literaturkritik ist nicht nur möglich - siehe Kommentarfunktion, sondern erwünscht! 

Mittwoch, 31. März 2021

 

  

VIER KURZLESUNGEN AUF RADIO FRO

Am 31. März um 19 Uhr, also heute, werden bei Radio Fro in Linz sowie zeitgleich in der Radiofabrik in Salzburg im Rahmen der Sendeschiene seitwärts: [poetologische ortungen ] "poetic acts von hier und da" ausgestrahlt. Die Sendung ist zu hören im Freien Rundfunk Oberösterreich (105,0 Mhz oder im live stream) sowie im Freien Rundfunk Salzburg (107,5 Mhz oder live stream).

Mein Beitrag zu dieser Sendung besteht aus vier Kurzlesungen, die ich an öffentlichen Ort in Ried im Innkreis aufgenommen habe.

Und hier ist der Link zum Beitrag:

https://www.fro.at/poetic-acts-von-hier-und-da/


die beiträge wurden eigens für diese sendung performt und als poetologische radiomontage adaptiert. während dominika meindl beim tourengehen liest und sich akustisch von der hintereggeralm richtung wurzeralm bewegt, sendet dietmar füssel beiträge von orten und plätzen in ried und judith gruber-rizy liest im badezimmer aus ihrem roman „die schreckliche stadt k.“ [edition art science 2020]. renate silberer will nichts mehr von fakten wissen und liest das in ihrem wohnzimmer, dazumontiert sind OT´s vom volksgarten in linz und von einem drogeriemarkt an der kassa. der beitrag von kurt mitterndorfer ist ein ausschnitt seiner aktuellen CD produktion „GEH“ – gedanken eines syrischen flüchtlings, auf dem weg von damaskus nach linz. ein weiterer beitrag kommt von margot koller, aufgenommen im offenen bücherschrank, den die autorin in der alten panzerhalle in salzburg betreut.
gastautor*innen
dietmar füssel
judith gruber-rizy
margot koller
dominika meindl
kurt mitterndorfer
renate silberer


sounding von GEH: chris herman

sendungsgestaltung/montage: wally rettenbacher

aufnahme margot koller: wally rettenbacher

Alle Neuen! Präsentationslesung am 30. Juni

Acht neu aufgenommene Mitglieder der GAV stellen sich vor 30. Juni, 19:30, bei Schönwetter im Garten vor dem Kulturverein Strandgut Es lese...