Dienstag, 21. November 2023

Apfent 8.0 – Keks, Drugs N' Rock N' Roll: Die große Weihnachts-Lesebühne der GAV OÖ

13. Dezember, Mittwoch, 19.30 Uhr, Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße, 4040 Linz). Eintritt frei! Es gibt GESCHENKE!!!!

Mit Walter Kohl, Dominika Meindl, René Monet und Kurt Mitterndorfer

Alle Jahre wieder ringt das Weihnachts-Ressort in Oberösterreichs größter Literaturvereinigung: um Stille, Frieden und innere Einkehr. Die Früchte dieses Ringens präsentiert das Quartett bei der traditionellen großen Jahresabschluss-Lesebühne. Dabei ist der Gabentisch bei der Tombola des Grauens stets überreich gedeckt. Ja, richtig gelesen: Das ist die einzige Lesereihe, bei der es GESCHENKE gibt!

Die gräuliche Tombola kennen Feinspitze von der Mutterlesebühne "Original Linzer Worte" und von daher stammt der famose Neuzugang im angestammten Apfent-Ensemble: Dem Multitalent Rudi Habringer folgt das Multitalent René Monet nach, seines Zeichens Chefingenieur des heimischen Literaturbetriebs. Er steht für besinnungslose Weihnachtslieder und abgründig-anrührende Erzählungen. Damit ist die Saiten-Sparte nun doppelt besetzt, denn Walter Kohl spielt seine immer versierter selbst gebauten Instrumente von Jahr zu Jahr versierter. Wie stets setzt er der gedankenlosen Fröhlichkeit die nötige Mahnung zur Umkehr entgegen. Das gilt auch für den lieben Alt-Vorsitzenden Kurt Mitterndorfer, der es in seinen kurzen Texten an der notwendigen gesellschaftskritischen Strenge nicht mangeln lassen wird. Im Gegensatz zur "Präsidentin" Dominika Meindl, von der bescheuerte Ansprachen zu erwarten sind, und die den drei Kollegen das eine oder andere Dramolett aufzwingen wird. Ihre beste Rolle ist noch die ersehnte Bescherung am ersehnten Ende: Tombola-Geschenke für das Publikum! Literatur und Präsente! Existenzielles Schrottwichteln!

Das Quartett performt im Ringerl, ob allein oder gemeinsam, in allen Formen und Farben. Das ist überraschend oder berührend, satirisch oder literarisch gehaltvoll – in Summe aber wahrhaft unterhaltsam.

Freitag, 10. November 2023

Streich- und Streichelkultur: Cancel-Culture-Kritik 29.11.

DH5, Mittwoch, 29. November, Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei! "Herren"straße 5, 4020 Linz

Awareness im Land der fußkranken Awaren

Ein Abend der GAV OÖ zu Wokeness und Cancel Culture im DH5

Mit Martin Fritz, Dominika Meindl, Elisabeth Strasser, Barbara Rieger, Gastgeber: Walter Stadler

Sofern die älteren, hellhäutigen Herren im Feuilleton recht haben, drohen demnächst Zensur, Diktatur und Verenden der Literatur. Schon allein der Begriff „Cancel Culture“ treibt den allgemeinen Blutdruck in die Höhe. Ist die Meinungsfreiheit wirklich durch allzu woke Hypermoralapostel*innen (Obacht, Gendern!) bedroht? Oder werden wir Zeug:innen eines riesigen Ablenkungsmanövers? Brauchen weiße Männer eigene Verlage, um überhaupt noch gedruckt zu werden? Wo schießt die gute Absicht übers Ziel hinaus?

Es ist ein heikles Thema – aber wer soll sich darum kümmern, wenn nicht wir Autorinnen und Autoren, die wir den ganzen Tag damit beschäftigt sind, uns den Kopf über den besten Ausdruck zu zerbrechen?

Wir freuen uns über: den Tiroler Regionalsprecher und Autor Martin Fritz, der nicht nur sehr lustige Texte über die „Cancel Culture“ schreibt, sondern auch Leiter der Arbeitsgruppe für Awareness der GAV ist. Barbara Rieger berichtet aus der Praxis, die auch für höchst achtsame Autorinnen wie sie selbst nicht mehr ganz unkompliziert zu schaffen ist. 

Dominika Meindl moderiert und trägt Satirisches bei, Elisabeth Strasser spielt die Advokatin des Teufels, wenn es gar zu hitzig oder einträchtig wird.

Apropos Vorfreude: Das Ganze findet im famosen Kulturverein Damen- und Herrenstraße statt.

Der Eintritt ist frei, Mitdiskutieren erwünscht!

https://dh5.space/ 


Donnerstag, 2. November 2023

Was wir lasen. Die Enthusiasmus-Reihe der GAV OÖ

Von Dominika Meindl (Text +Fotos)


Ruth Aspöck, die man schon alleine wegen ihrer wirklich sehr schönen Outfits als Grande Dame der GAV (OÖ) bezeichnen darf. Sie sprach über Mark Twain, den sie in eigener Übersetzung vortrug. Sie unternahm eine literarische Reise, auf der sie Tom Sawyer und Huckleberry Finn auf einem Floß über den Mississippi begleitete.


Walter Kohl hatte eigentlich über Donald Duck sprechen wollen, ging aber des Heftls verlustig und besann sich seiner Faszination für Meier Helmbrecht. Das sei auch recht aktuell angesichts der Debatten über Klassismus. Die Gewaltmenschen im Text erinnerten ihn an "die Bauernbuben in Schönering, die ich in meiner Jugend fürchtete". Im 13. Jahrhundert wurde der Text recht gesichert zu Musik vorgetragen, weswegen Kohl ankündigte, nun den Rest des Vortrags mit dem Fotzhobel zu begleiten. Nur ein Witz, es ging verbal weiter. Es amüsiert ihn, dass Wernher der Gaertenere in langen Passagen die Vogelstickereien auf Meiers Kappe schildert ("das ist ein bisschen wie auf Instagram"9, während die Action rumsbums über die Bühne geht. Erich Wimmer wies als Absolvent der Florianer Bauernschule darauf hin, wie sehr es ihm gefallen habe, dass sich Meier seiner Standes-Bestimmung entzieht und vom väterlichen Acker macht.

Walter Baco hatte in Mails an die Verfasserin angekündigt, ausschließlich über seine Erstbesteigung des Pöstlingbergs zu berichten, aber so wie Walter Kohl beließ er es beim Witz. Stattdessen gab er seiner Begeisterung über Daniel Kehlmanns Frühwerk "Ruhm" Raum. Es sei ihm ungemein sympathisch, wie sich der Auto selbst auf die Schippe nehme. Das Geflecht der neun Erzählungen sei fein gesponnen und eine literarische Freude.

 Foto: Stifterhaus

Als Verfasserin dieses Nachberichts überspringe ich meinen eigenen Beitrag und belasse es bei einer dringlichen Empfehlung: Bitte lest "Der lebende Berg" von Nan Shepherd. Man muss die Berge nicht lieben, um diesen Stil zu lieben.


Wally Rettenbacher sprach über die höchst limitierte Auflage des 1965 veröffentlichten Hefts "Sea & Sky" von Robert Lax (1915 bis 2001). Seine Biographie hat selbst schon Literaturwürdigkeit. Als Drehbuchautor für Hollywood und Autor für National Geographic wollte er in New York nicht glücklich werden. Es brauche enorme Willenskraft, um mit 50 alles hinzuschmeißen, mit Zirkusakrobaten loszuziehen und auf Patmos anzukommen. Hier schrieb Lax ("very wise and very busy") seine ganz und gar eigenwilligen Gedichte? Kürzest-Stories? Rhythmischen Notate? Minimalistische, abstrahierte, vertikale Gedichtlinien, "Säulen aus Silben!" Rettenbacher verwendete seine Texte für ihr Meditationsprojekt in Bangkok, da es auch Lax' Ziel war, zu Momenten zu gelangen, an denen man aus der Zeit tritt. Eine Inhaltsangabe ist unmöglich, sein Schreiben gleiche eher einer Jam-Session.

Wally Rettenbacher interessierte es, ob die Violonistin Valentina Pirklbauer das Ergebnis ihrer Silbenzählung in Musik übersetzen könnte. Wer weiß, ob wir 2024 mehr darüber hören. Heuer brachte sie wie seit Beginn der Reihe die Frage auf, ob nicht in Wahrheit die Texte die Zwischenräume ihrer Darbietung seien. 

Erich Wimmer, Gastgeber und Vater der schönen Reihe "Was wir lesen" schloss den Abend mit seinem Enthusiasmus für George Steiners Text "Warum Denken traurig macht", "einer Art Predigt eines führenden Komparatisten." Es gebe zehn Gründe für die Schwermut: Wir gelangen nie zu abschließenden Gedanken. Denken ist ein dilettantisches Unterfangen. Die Gedanken sind bunte Banalitäten und stehen der monochromen Wahrheit entgegen. Denkprozesse sind diffus und kommen nie ordentlich zum Ausdruck, ein maßloser Verlust. Die innere Version ist nicht nach außen zu projizieren, die Beziehung zwischen Denken und Artikulation misslingt laufend. Es gibt keinen archimedischen Punkt, die Vertreibung aus dem Paradies ist ein Fall ins Denken. Wir bleiben einander Fremde. Wenig ist wert, gedacht zu werden, und noch weniger, gesagt zu werden. Denken verabscheut Leere. 

Für Erich Wimmer ist die "Amplitude zwischen dunklem Kontinent und unseren glühwürmchenartigen Geistesblitzchen im Urgrund komisch". Wimmer fühlt im Altern eine "wohltuende Enternstung des Lebens". 

Und genau deswegen freuen wir uns auf das nächste "Was wir lesen" am 23. April 2024 (äußerst passend am Welttag des Buches). 

Strand - stranden - Strandgut: 4. Juni

Eine Veranstaltung, die ganz auf ihren Schauplatz zugeschnitten ist!  Strandgut, 4. Juni, 19:39 Uhr, der Eintritt ist frei Eine Veranstaltun...