Montag, 11. Mai 2020

Covid-19 DIARIUM 2020


von Siegfried Holzbauer


Die ersten 50 Tage


12 03 2020 ihr lächeln ist ansteckend / sei auf der hut
13 03 2020 der angst eine absage erteilt / dennoch fr. 13.
14 03 2020 leere regale / geplündert / die straßen leer
15 03 2020 im baumgarten / er / ich / ein ungewißer ausgang
16 03 2020 ausgangssperre / stimmen hören / bruder / sie / &
17 03 2020 solitaire / kein bock / wie vor jahr und tag / nix
18 03 2020 miss your voice, my buddy / my body misses youa.
19 03 2020 homework / stay in touch / der frühling bleibt
20 03 2020 neu / das prinzessinnenbettmassaker video
21 03 2020 wettersturz / eine verschnaufpause / allein
22 03 2020 allein mit deinem gott und st.covid / laetare
23 03 2020 & nur mut / kann es schaffen / sie glaubt an mich
24 03 2020 vereinbarung sinnlos / hengst mit abschlag
25 03 2020 bamblia im eismeer / zeitweise eingefroren
26 03 2020 ein lächeln vertreibt böse gedanken und
27 03 2020 & ein weiterer tag mit komplimenten vertan
28 03 2020 erster marienkäfer / spring / love zooms in / &
29 03 2020 bird singin´ / let´s get together one more time
30 03 2020 oye cómo va / cancel: perfekter seitensprung
31 03 2020 sauerampfer / löwnzahn / MNS / demanding times
01 04 2020 kirschblia / und dennoch / leere / 1.april
02 04 2020 zwischen tür und angel / sie / ungeschminkt &
03 04 2020 a signal fun der fargangenheyt / זיי געזונט &
04 04 2020שטיסל & der rote drache / die liebe siegt
05 04 2020 besser ein spatz in der hand als sie am hals &
06 04 2020 aus dirndl´s stofffundus / MNS maske genäht
07 04 2020 birnbamblia / und bei ihr / der zaunkönig / rev.
08 04 2020 hemd zerschnitten / maskenball an חג שמח / פסח
09 04 2020 pan bläst heftig auf seiner flöte / lousy day
10 04 2020 stanglfisch / das neue kruzifix / karfreitag
11 04 2020 wälder / zartgrün & weißgetupft / karsamstag
12 04 2020 auferstehung / o Herr / was dann / ostersonntag
13 04 2020 osterhase wovor hast du angst / ostermontag
14 04 2020 geschäfte erledigt / es hat abgekühlt und
15 04 2020 ihre hände wieder in meinen / erste schwalbe
16 04 2020 covid / wann lassen wir die masken fallen und
17 04 2020 reiseträume / victor & hetti / ein sprachkurs
18 04 2020 kaffee und kuchen / bei sissi im rosengarten
19 04 2020 mißverstanden / rätsel bleibt ungelöst
20 04 2020 pfarrer hermann und seine moorhühner / R.I.P.
21 04 2020 a phone call / sie entdeckt mir / das geheimnis
22 04 2020 glück / un / glück / das volle leben / aber / irreal
23 04 2020 katzen / ein / jammer / laß dich in den arm nehmen
24 04 2020 musik im hintergrund / panflötenmelodien
25 04 2020 ausgeflippt / wieder eingekriegt / alles gut
26 04 2020 sonntag / die kirche noch immer leer / nur gott
27 04 2020 zum kuckuck mit covid / 19 whiskies verkostet
28 04 2020 kurznachrichten: macht euch locker / am 1.mai
29 04 2020 erwarte / nichts / kein anspruch / geht auch so &
30 04 2020 ausgangsbeschränkungen laufen aus @ 24 uhr


© 2020 s.holzbauer

Donnerstag, 7. Mai 2020

Beginn der Entgleisung – Meine Coronareisen Tag 1

Von René Bauer

Vorwort
Nach einigen Wochen Eingesperrtsein macht sich in mir der Wunsch zu verreisen bemerkbar. Gut, denk ich, ein paar Regeln brauche ich noch, dann steht mir die Welt offen. Sollen die Anderen doch zuhause versauern, ihre Tagebücher mit Gedanken aus dem Auf-sich-selbst-zurück-geworfen-sein füllen, ich schreite mutig fort und mache Urlaub. Einen Experimentalurlaub. Ohne Maske. Ohne Beschränkungen.

Regel 1: Ich reise an einen zufälligen Ort und muss selbst herausfinden, wo ich bin.
Regel 2: Möglichst keine Karten oder Reiseführer verwenden.
Regel 3: Möglichst nur zu Fuß gehen.
Regel 4: Tagesprogramm ist je einmal essen, eine Sehenswürdigkeit, einen Spaziergang im Park oder Wandern, am Ende eines Tages ein Hotel suchen, schlafen, dann sofort wieder abreisen.

18. April 2020– Uberlândia, Brasilien
Ich befinde mich offensichtlich in einer Stadt, in einer engen Gasse, der Asfalt in schlechtem Zustand. Niedrige, simple, aber bunte Häuser. Überall parken Autos und Motorräder. Rechts neben mir schwebt eine Gitterbox aus Metall, rot lackiert, wie ein großer Einkaufskorb, auf eine Stange geschweißt mitten am Gehsteig, darin ein Paket. Ist das ein Briefkasten? Links ein Autoverleih. Die Sprache scheint Spanisch zu sein. Brauch ich ein Auto? Nein ich geh zu Fuß.

Urlaubsfoto 1: Ein Briefkasten? Ein Einkaufskorb?

Nach ein paar Schritten erreiche ich eine Autowerkstatt – auto mecanico. Brauch ich nicht. Drei Männer stehen vor der Werkstatt, warten und rauchen. Sie tragen keine Masken, dafür sind ihre Gesichter verschwommen.

Ich gehe weiter die Straße entlang. Bin ich in Spanien? Südamerika? Hier steht eine Apotheke. Krank bin ich nicht. Aber obwohl die Sonne scheint, fühle ich sie nicht. Ist es warm? Kalt? Welche Jahreszeit haben wir? Welches Jahr?
Auf dem ersten Straßenschild, das mir begegnet, steht Teatro municipal – in der selben Richtung scheint auch ein Park zu sein, ich biege an der Kreuzung ab und folge den Schildern. Viele Motorräder stehen auf Miniparkplätzen. Wenige, dafür alte Autos. Dürfte keine wohlhabende Gegend sein.

Den Park finde ich noch nicht, dafür ein Geschäft für Kühlschränke. Statt einer Glasauslage hat es ein großes Loch in der Wand mit hochgezogenem Ladengitter, dahinter stapeln sich hauptsächlich gebrauchte Kühlschränke in einem wilden Durcheinander. Ein Moped steht im Geschäftsraum. Dürfte geöffnet sein.

Ich irre durch die Gassen. Schau schau! die Tierklinik Imperial, ein Veterinär und Pet-Shop zugleich, auf dem Schild eine protzige Königskrone ähnlich wie die der Queen, zwei weiße Pudel tragen die gleiche, der Werbegrafiker muss günstig gewesen sein. Die Sprache ist aber kein Spanisch, das ist wahscheinlich Portugiesisch. Auf der Klinik steht auch der Ort, Uberlândia, tippe auf Südamerika und damit Brasilien.

Würde ja gern jemanden fragen, wo sich der Park befindet, aber leider versteh ich kein Portugiesisch.
Immer wieder Häuser in Stacheldraht eingekleidet. Angst? Jemand gießt den Gehsteig vor einem Stacheldrahtzweifamilienhaus, daneben wieder so eine Briefkastenbox, leer, im selben edlen Design wie alle Schutzgitter, Zäune und Rollläden des Hauses, Videokamera, Alarmanlage. Naja.

Endlich bin ich in der Nähe des Parks, Uberlândia ist eine große Stadt, sicher größer wie Linz oder Graz. Stehe vor einem Riesensportstadion auf dem Parkplatz, extrem schiarch, Bauweise Schalbeton, nackt, keine Farbe auf den Wänden. Hier gibt's rote Erde überall, aber so richtig rot, sehe kein Gras oder es ist vertrocknet und so braunrot wie die Erde. Parkplatz ist leer.

Hoher Zaun, der Park befindet sich dahinter, nur wie komm ich da rein? Rüberklettern, bin jetzt auf einem Fußballplatz mit alten verrosteten Toren, niemand spielt. Mitten im Park ein mittelgroßer Baggersee, fast keine Leute da, ist's fürs Baden zu kalt? Ich fühle keine Temperatur, muss mich nach visuellen Hinweisen richten. Neben dem See eine Laufstrecke, nein, rund um den See. Ich lauf mal ein bisschen, am Gehsteig steht ein auf seinem Schwanz aufgerichteter Plastikhecht, ein Kind in seinem Schatten. Ups, ich sollte nicht mitlaufen, an der nächsten Kurve warten Zuseher hinter Absperrungen, eine Polizistin kommt auf mich zu, deutet etwas, alle haben kurze Hosen, sind braungebrannt, kurze Leiberl, oft ärmellos. Also doch warm. Vielleicht sogar heiß.

Aber das Rennen auf der Laufstrecke, wird das nicht ernst genommen? Jetzt fährt einer mit einem Moped mitten auf der Bahn, der hinter ihm am Sozius trägt keinen Sturzhelm! Jetzt hab ich's, es ist ein Radrennen, da kommen schon die ersten. Hier ist das Ziel, aber der mit dem Moped ist in die falsche Richtung gefahren ...

Sonst ist nicht viel los, Hüpfburg, Standln, Schoko und Eis. Am Ausgang herrscht Sonnenuntergang. Ich verzupf' mich.

Gehe aus dem Park und lande in einem kleinen Einkaufszentrum, ähnlich wie hierzulande sind innen Fakebalkone im Fake-zweiten-Stock, der die Realität umkehrt, als ob draußen jemand wohnt, dabei ist da nichts, nur der Himmel. Im Spielwarengeschäft haben sie lauter Plastikzeugs.
Hab Hunger, kann niemanden fragen, find nur einen Obst- und Gemüsehändler mit ein paar braunen Bananen und riesigen Paprika und Orangen, so groß wie Fußbälle. Sind das Pomelos? Ich glaub die machen bald zu, nur mehr ein paar Besucher sitzen an den Tischlein, keiner isst was, keiner trinkt was.

Ich suche den Weg aus der Stadt, folge einer Art Autobahn, komme an ein hässliches Gebäude aus Beton und Glas, darauf in glänzenden metallenen Lettern centro administrativo, dahinter brasilianische Flaggen auf Halbmast. Es dürfte was passiert sein.

Meine Suche nach Essen zieht sich in die Länge: An der nächsten Kreuzung gibt es ein Dominos, aber ich mag keine Pizza. Dann entdecke ich ein rotes Gebäude, Abierto 24h, also immer offen, der Amorecana Club, dachte zuerst an Steaks und so, Americana, aber daneben steht das Hotel Amora, also eher wohl nix zum Essen und wenn, dann recht teuer und im Zusammenhang mit nackten Menschen. Außerdem ist alles vergittert und nicht einsehbar, Geld hab ich auch keins.

Urlaubsfoto 2: Eher kein Restaurant mit Steakfleisch ...

Endlich aus der Stadt rausgefunden! Einfach zum Park zurück und in die andere Richtung auf die Autobahn wärs gewesen. Lasse mich per Anhalter mitnehmen und darf sogar selber fahren. Den Schildern nach führt es hier nach São Paolo oder Brasilia, aber bis dorthin sinds noch hunderte Kilometer und ich entscheide mich für Santa Juliana, das ist nicht so weit weg.

Komme an einer Polizeikontrolle vorbei, ein gelangweilter Polizist mit einem Bierbauch beobachtet den Verkehr, ein zweiter lehnt sich an einem Lieferwagen zum Fahrer hinein. Beide Polizisten schauen aus wie Bauarbeiter, nirgends steht Polizei, sie haben keine Waffe, vermute was anderes. Ist das eine Privatpolizei? Ein Sicherheits- oder Ordnungsdienst? Lieber nicht stehenbleiben.

Die Erde ist in dieser Gegend wirklich überall knallrot-braun, völlig übertriebene Farbe, vielleicht ein hoher Eisengehalt? Ringsum reichen weitläufige Felder und Grünflächen bis an den Horizont, keine Ahnung was die da anbauen, sieht aus wie Mais, könnte Zuckerrohr sein. Brauche einen Rum.
Hab jetzt auf dem Weg nach Santa Juliana den Rio Claro überquert und suche auf einem Campingplatz nach Essen. Gibt natürlich nix. Haben nur einen Besucher mit einem Campingwagen. Er dreht mir den Rücken zu.

Nach Stunden erreiche ich Santa Juliana. Werde begrüßt von einer Tankstelle mit einer integrierten kleinen Kirche oder Kapelle gleich neben den Zapfsäulen. Santa Juliana ist eine kleine Stadt, winzige Häuser ducken sich hinter Mauern, alle so groß wie Schrebergartenhütten, ein Lkw voller nackter Hühner kommt mir entgegen. Sollte ein Lied über die federlosen Hühner von Santa Juliana schreiben.
Sehr bäuerliche Gegend, an jeder Ecke Traktoren, Erntemaschinen, Rasenmäher und ähnlichen landwirtschaftlichen Krimskrams zu verkaufen.

Ein Autohändler macht groß Werbung mit einem Lamborghini oder sonstigen Superflitzer auf seinem Schild am Dach, drunter ducken sich 30 ungewaschene Autos dichtgedrängt, kleine gebrauchte Stadtflitzer, welch Diskrepanz!

Endlich habe ich das Geheimnis der Briefkästen gelüftet, diese Einkaufskörbe auf Stangen am Gehsteig sind einfach Miskübeln, drin ist keine Post, einfach Müll!

So jetzt kauf ich mir ein Eis, sorvetes frutos do cerrado gegessen, geschmeckt hat's mir nicht, hab auf meinen Reisen auch meinen Geschmackssinn verloren. Jetzt bin ich müde. Gegessen hab ich, spazieren war ich im Park von Uberlândia, als Sehenswürdigkeit nehme ich die Tankstellenkirche vor Santa Juliana, fehlt noch ein Schlafplatz, dann ist mein erster Urlaubstag vorbei.

Zufällig finde ich das Hotel Villa Comfort, als Willkommensteppich haben sie ein Putztücherl/Geschirrtuch vor den Eingang gelegt, schwer den Fuß drauf zu setzen, so klein ist es.
Die Zimmer sind ok. Innen schauts aus wie in einem Warteraum einer Arztpraxis in den 80ern, klinisch, clean, Fliesen, wenig Zierde, Türschwellen wurden offensichtlich gestohlen, da klaffen Löcher zwischen den Türrahmen. Mein Zimmer ist ein kleines Doppelzimmer, zwei Betten, keine Einrichtung außer einem Spiegel, einem Kasten ohne Türen, einem Fernseher an der Decke, Klima, WC mit Dusche, Nachtkastl. Bettwäsche wie in einem Krankenhaus mit grün-blauem Überzug. Der Frühstückssaal ist rustikal, sechs kleine Tische, an denen niemand sitzt.

Auf dem Weg zurück in mein Zimmer durchquere ich eine Art Minilobby mit Glasdach und vier großen Palmen, eine kitschige Glitzerdecke bedeckt eine weiße Kunstledercouch, aber worauf sollte man hier warten? Ich finde keine Menschen, das Hotel ist leer. Gute Nacht Santa Juliana. Morgen bin ich anderswo.

Anm.: Tagesreise nach Uberlândia, eine Art Reisebericht, von René Bauer, durchgeführt während der Corona-Reisebeschränkungen 2020 mit Google Street View auf einer Virtual-Reality-Brille zuhause in seinem Schlafzimmer. Es folgen bald noch weitere Reisen.

Freitag, 1. Mai 2020

Möglichkeiten



Es ist still geworden. Wir sind, kollektiv, aus der Zeit gefallen.
Die gefüllt war mit Besorgungen, Treffen, Besprechungen, Terminen, Abgaben. Wir feiern allein Geburtstag. Wir sterben allein in fremden Zimmern. Wir denken allein: Doch die Möglichkeit, diese Gedanken teilen, zu hören, auszusprechen, ist geringer geworden. Nicht die virtuelle, ich spreche von der realen, an unsere Körper gebundene.
An unseren Atem, die Bewegung unseres Brustkorbs, während wir jemandem eine Geschichte erzählen, während die Worte anderer Bilder in unsere Köpfe zaubern. Das Pulsieren in unseren Adern, während wir einander gegenüberstehen, einander halten, einander versichern, dass wir existieren: durch Berührung. Haut, Poren, Haare, Finger, Münder.

Es ist still geworden in der Welt, das hat auch sein Gutes.
Neben der Unsicherheit, die aufsteigt, ein Gefühl des Schwimmens, in einem Fass ohne Boden (woher werden die nächsten Förderungen kommen? wird man Projekte fördern, die in der Fremde stattfinden? wann werden die Grenzen geöffnet?), hat sich in dieser Stille, in diesem Warten, dieser bedingten Ruhe, ein Raum aufgetan.
In diesem liegt die Möglichkeit von Kommunion. Wenn der Geist nicht mehr abgelenkt wird von tausend Dingen, können sich seine Prioritäten neu ordnen. Erinnert man sich der Texte, die einer Ruhe bedürfen. Ein Roman schreibt sich nicht von selbst.
Das Reisen in Gedanken ist die schönste Freiheit, die ich mir vorstellen kann.
Das Reisen im Äußeren nur ein Ausdruck dieses Inneren.

Es ist still geworden.
Ich bin im Kollektiv aus der Zeit gefallen, und in diesem Vakuum zurück in meinen Text.
In eine Geschichte eingetaucht, die erzählt werden will, an der Hand genommen von einer unsichtbaren Kraft, die jeden Schreibprozess begleitet. Das hat nichts Religiöses, um Himmels willen, sondern etwas sehr Humanes, es bedingt nur eine Zutat: Hingabe.
Dieses Zauberhafte lässt Grenzen schwinden, lässt jede Enge weit werden.
Gedanken geteilt, nur eben zeitversetzt. Aus der Zeit genommen, jetzt geschrieben für eine spätere.

Später werden wir wieder feiern, einander berühren, und auch sterben, aber nicht mehr allein.
Bis dahin bleibt uns die Möglichkeit der Phantasie.

© Marianne Jungmaier


Freitag, 24. April 2020

Drogen-Apnoe, Nackenkrebs und fette Spatzen im Wind // Meindl im Lockdown

Von Dominika Meindl. Nachrichten aus dem Inneren, Teil 2
 
1. April
Mir träumt jetzt viel von Skitouren. Vorgestern sollte ich kurzfristig für das Festival der Regionen in die Schweiz, und zwar mit Sting(!?) als Bergführer, der auch freundlich blieb, als er mir die ganze Ausrüstung zusammenschnorren muss, weil man in Träumen nie weiß, was man in der Früh alles einpacken soll. Gestern musste ich eine letzte große Prüfung ablegen, damit mein Leben seine Richtigkeit hat – leider hat es einen schönen Schnee, sodass ich mich nicht konzentrieren kann, und leider ist das Prüfungsfach Chemie, sodass ich nicht einmal den Angabentext verstehe. 

 
Abb. 1.: Symbolbild "Meindl kommt nicht hin, wo sie hinmöchte" 

2. April
In der Nacht habe ich vergessen, wo mein Auto steht; schon etwas verzweifelt läute ich bei Franz Schuh(?!), der hilfsbereit, aber keine Hilfe ist. Zerrüttet gehe ich zurück auf die Straße, da steht mein Volvo 244 GL und tut, als wäre nichts gewesen (und als hätte er es mir im wahren Leben verziehen, dass ich ihn damals um 4000 Schilling nach Nigeria verklopft habe).

Ganz ich selbst sein zu dürfen, ist ein Privileg, das ich mir alleine vorbehalte (es hat viel mit zerrissenen Pullovern und ungewaschenen Haaren zu tun).

Mit wachsendem Interesse beobachte ich die Vogerln vor dem Fenster (=Symptom wachsender Verrücktheit).

3. April
Nützliche neue Begriffe: „Cyberloafing“ („das Internet auslesen“) und „Wohlfühlpanik“ (Grissemann).

Weil mich die gefiederten Freunde immer stärker begeistern, schicke ich der Familie Whatsapp-Nachrichten wie „Ein Rotkehlchen hat gerade vom Apfelbaum gekackt“, „Drei Stieglitze rumoren im Vogelhaus“ und „Ich frühstücke jetzt immer zwei Stunden lang wegen der Ornithologie!“, und eine Schwester schreibt nur „Was wäre der Unterschied zu deinem früheren Leben?“ Die herrliche Beobachtung, dass sich eine Blaumeise den Flaum, den sich die raufenden Stieglitze gegenseitig ausrupfen, zum Nestbau fladert, vergönne ich der undankbaren Mischpoche nicht mehr. Frisurenmäßig nähere ich mich übrigens zusehends den Haubenmeisen an. 

Abb. 5.: Lopophanes cristatus. Charakteristisch ist die schwarz-weiß gemusterte Federhaube.
 
5. April
In der Nacht wird mir ein inoperabler Hirntumor diagnostiziert, mehr als ein Jahr sei nicht mehr drin, sagte der Arzt nebenbei. Ich bin enttäuscht von mir selbst, weil ich beim Romanschreiben so faul gewesen bin und jetzt nichts habe, was ich einem Verlag mit dem verkaufsfördernden Hinweis auf meinen Tod aufschwatzen könnte. Als ich überlege, einfach im Toten Gebirge verschollen zu gehen, wache ich auf. Nie mehr Weißwein vor dem Schlafengehen.

7. April
Mangels Deadlines fehlt mir etwas der Zug am Ski. Ich organisiere lauter Sachen und ärgere mich, dass ich so viel organisieren muss, weiß aber, dass ich eh nichts anderes zu tun habe.

Ein Drittel meiner Vögel sind graues Gefleder, die zu führen meine Bestimmbücher sich zu schade sind. Ich solidarisiere mich (=manifester Wahnsinn).

8. April
Ich glaube schon, dass es mir gut geht, aber vielleicht auch nicht, man kann das nie ganz wissen. Der Körper spricht zu mir: Mein Genick ist so weh und steif, dass ich mich bewege wie Fester von der Addams Family. Alle schwärmen jetzt vom Himmel ohne Kondensstreifen, nur ich kann den Kopf nicht heben. Wie die armen Schweine, die ihr kurzes Lebtag lang nicht nach oben sehen können.

Ob die Quarantäne einmal als ergiebige Zeit in die Kunstgeschichte eingehen wird? Eher nicht, wir beschäftigen uns jetzt alle noch mehr mit uns selbst; und alle, die wirklich etwas erleben, haben keinen Nerv, darüber auch noch einen Roman zu schreiben. Siehe Facebook; alle nähen Masken, backen Brot und führen sich in den Kommentarsektionen auf wie die Stieglitze im Vogelhaus. Sobald ich unseren Kanzler bei einer seiner messianischen Verkündigungen sehe, zetere ich selbst wie ein Rohrspatz (zum Glück bin ich nicht auf Twitter).

9. April
Am Spering-Sattel ab Höhe der Funkstation liegt noch so viel Schnee, dass ich mit meinen Halbschuhen eigentlich umdrehen sollte, aber die Beine stapfen unvernünftig weiter wie pubertierende Zwillinge, und bald stehe ich mit waschelnassen Zehen in einem nordseitigen Hang, nach oben sehen kann ich nicht, wegen meines furchtbaren Genicks, und ich frage mich, warum ich so etwas IMMER mache, ein jedes Mal stehe ich beim Wandern irgendwo in der Botanik, weil ich die Person bin, die ich bin. 

 Abb. 3.: Schillereck. Charakteristisch ist die schwarz-weiß gemusterte Gipfelhaube. 

Im Traum trage ich meinen japanischen Godzilla-Gummikopf als Atemschutzmaske, was wirksam ist, weil er mich generell am Atmen hindert. Ich erwache und finde mich auf dem Rücken um Atem ringend, offenbar in Novalgin-Apnoe. Der Nacken ist so schlimm geworden, dass ich mir den Kopf halten muss, wenn ich mich umdrehen will.
Am Morgen handle ich wie jeder erwachsene, vernünftige Mensch: Symptome googeln (Suchanfragen „Gibt es Nackenkrebs“ und „Tod durch Halswirbelsäulenarthrose“) und dann den Vater anrufen, dabei versuchen, nicht gar zu jämmerlich zu klingen. Er rät zu Voltaren, wie seit 42 Jahren. Gerissene Kreuzbänder? „Nimm' die 100er.“ Liebeskummer? „Eine retard, auf den Magen aufpassen.“ Einkommensverlust durch Corona? „Eine 50er zum Frühstück, und nimm' dir in der Zwischenzeit das Geld, das ich für die Putzfrau liegen lassen habe.“ Ich nehme eine Voltaren dissolv, dann trage ich die riesigen Blumenkübel in den Garten und habe am Nachmittag schon vergessen, dass ich beinahe an meiner Vorerkrankung verstorben wäre. 

 Abb. 4.: Godzillakopf auf Meindlleib. Charakteristisch ist die schwarz-grün gemusterte Gummihaube.

10. April
Als Vegetarierin am Karfreitag ein Porträt über den Leberkaspepi schreiben. #wertewandel

12. April. Ostersonntag
Buttinger, steh' auf, ich hab' dir ein Osternest versteckt.“
Erklär' mir die Regeln.“
Was?!“
Sonst finde ich es nie.“
Deine Wohnung ist nicht Sibirien!“
Sag' mir wenigstens, ob es in einem Kastl ist.“
BUTTINGER!“
Er steht unwillig auf, geht umweglos ins Badezimmer und bückt sich nach der Whiskeyflasche, die ich ihm liebevoll in den Schmutzwäschekorb gelegt habe.

13. April
Jeden Montag schaue ich im Kalender nach, ob diese Woche eh nichts ist. Die Spuren der Eintragung „Slowenien Skitour Abfahrt“ sind fast nicht mehr zu erkennen.

Mein Erwerbsleben kann sich so wenig zwischen Dasein und Tod entscheiden wie ein Zombie; zu tun hätte ich immer etwas, bezahlt werde ich dafür auch ohne Corona nie und ich brauche keine Quarantäne, um die Besteckladen neu zu sortieren, anstatt den depperten Roman fertig zu schreiben. Die Ex-Erziehungsberechtigten rufen akkurat in dieser sensiblen Phase an, sie hätten in den OÖN einen Job für mich gefunden (Leiterin der KTU-Bibliothek, „du sortierst doch eh so gerne Bücher!“).

16. April
Ein Waldpfad auf den großen Größtenberg (wer denkt sich eigentlich die Namen für die Berge aus?). Mein rechtes Knie hört sich jetzt bei jedem Schritt an, als habe ich ein knisterndes Plastikpapierl in der Hosentasche vergessen. Es tut nicht weh, aber wegen meiner Misophonie zermürbt mich das Geräusch bald. Zum Glück erreiche ich die Schneegrenze, das Knirschen wird vom Stapfen durch das dreckige Sorbet überdeckt. Bald stehe ich mit nassen Zehen im Latschendickicht.

18. April
Ohne es zu beabsichtigen verkleide ich mich jetzt beim Gartenarbeit als mein Vater. Ich trage sein altes Zeug auf. Die Beine in seinen alten Arbeitsschuhen sind nicht mehr allein meine eigenen; ein Moment wie damals, als ich mit meiner Hand in den Pullover fuhr und am Ende die Finger meiner Mutter herauskamen. Nur noch die Neigung zu Heavy Metal und … nein, mir fällt nichts anderes mehr ein, das mir als Zeichen meiner familiären Individualität geblieben wäre, höchstens noch meine politische „Linksradikalität“ (oö. Gütesiegel). Ah: und die „Höhe“ meines Einkommens. Abgesehen davon ist ab jetzt Widerstand gegen die genetische Programmierung zwecklos.

19. April
Die Spatzen sind dank meiner übertriebenen Fürsorge so dick geworden, dass sie das Einflugloch in den Nistkasten durch Schnabelhiebe vergrößern müssen.

21. April
Das Baumhaus knarrt in den Wanten wie ein mürbes Piratenschiff. Der Wind wirft die Amseln (auch sehr dick heuer) in den Flieder. Mir kommt vor, dass diese Aufzeichnungen so etwas wie ein Dankbarkeitstagebuch sind, wie man es gegen seelische Verstimmungen empfiehlt. 

 Abb. 4.: Der Ort, an dem Dankbarkeit praktiziert wird. 

Donnerstag, 23. April 2020

Verschieb nichts und am wenigsten das Leben


Von Corinna Antelmann

»Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen«, höre ich meinen Vater sagen, während ich den Satz an meine Tochter richte, »setzen wir uns an unsere Arbeit.« Und nach dem erwarteten Protest, fällt mir noch einmal mein Vater ein; ich triumphiere: »Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.«
»Verschone mich mit solchen Sprüchen«, sagt meine Tochter.
»Morgen vielleicht«, sage ich.
»Oh, bitte«, sagt mein Liebster. „Wieso genießen wir nicht einfach den Tag?“
»Heute?«, frage ich.
»Was du heute kannst …«, kommt es einstimmig zurück.

Wiewohl in einem Konflikt, verschiebe ich weder noch: Mit sofortiger Wirkung stelle ich erstens das Sprüche-Klopfen ein, dann mache ich mich zweitens an meine Arbeit, während der Rest der Familie spazieren geht. Noch heute will ich alles erledigen, um morgen den Tag zu genießen, vielleicht, falls alles erledigt sein sollte, das heißt: Ich beherzige meines Vaters Rat. Oder auch: Ich habe keine Wahl. Seine Ratschläge sind unfreiwillig in mein eigenes System gewandert. Und ich bin ihm zu Dank verpflichtet, denn das Verschiebe-Verbot hilft mir seit jeher durch das System der freischaffenden Tätigkeit. Ich wäre nicht dort, wo ich bin, wenn er nicht in mir gesessen und mir zugeflüstert hätte, mich an den Schreibtisch zu bewegen, die Dinge anzugehen, nicht zu warten auf den richtigen Augenblick, den richtigen Tag.
Sondern gleich.

Nur hin und wieder zeigt das Gebot seine zweite Seite, zum Beispiel innerhalb des Familien- und Beziehungssystems.
»Genau«, ruft mein Liebster dazwischen, unterschätz niemals die Bedeutung der Pause. Denn sieh nur: der Himmel, das Feld, das Rauschen und Blitzen und Jubilieren.“
Jajaja, ich weiß, er trauert und den gemeinsam verbrachten Tag, um den es gehen könnte, sollte, müsste …? Aber neinneinnein, das Müsste verhindert, eine Pause einzulegen, um beispielsweise heute spazieren zu gehen, statt dafür auf das Morgen zu hoffen.
Verschieben wir die entspannten Tage auf Unbestimmt, aber …?
»Aber, Vater, wenn du sagst: Verschiebe nicht auf Morgen, dann heißt das doch …?«
»Das Gebot gilt weder für Pausen noch für Spaziergänge, sondern für Tätigkeiten.«
»Aha«, sage ich, noch eine Frage: »Ist das Spazierengehen untätig?«
»Sinnvolle Tätigkeiten«, spezifiziert er.

Ich kenne jemanden, der würde widersprechen.

Und so hat jedes Ding, wie stets, zwei Seiten: Die Arbeits-Disziplin ist ein hohes Gut, ich weiß es wohl, doch was ist der Mut zum Liegenlassen anderes? Er kann Kräfte freisetzen, die sich andernfalls festsetzten in der Verbissenheit des Tuns.
Schon Eichendorff ließ seinen Taugenichts spielen und singen:
Ich hatte recht meine heimliche Freud‘, als ich da alle meine alten Bekannten und Kameraden rechts und links […] zur Arbeit hinausziehen, graben und pflügen sah, während ich so in die freie Welt hinausstrich. 
(Joseph von Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts, 1817-1823: Vers 29/30)

Ein ewiger Sonntag, wie schön!

Während des Shutdowns, in dem wir uns befinden, während ich diesen Text verfasse, schwören wir insgeheim, nie wieder zu verschieben, was wir immer schon hatten TUN wollen, nun jedoch erschwert wird (abgesehen von den Spaziergängen). Die Arbeit, sie fehlt denjenigen von uns, die sie nicht länger ausüben können, dürfen, müssen … Ja, die sogenannte Krise, die morgen schon wieder Vergangenheit sein kann, versetzt uns in den uns ungewohnten Zustand, nicht zu wissen, was das Morgen bringen wird, und ob die Verschiebung, die wir gezwungenermaßen vornehmen müssen, sinnlos ist, oder ob es andersherum gerade die Verschiebung ist, die manch einer Tätigkeit erst wieder ihren Sinn verleiht, weil heute nicht möglich ist, was morgen wieder gehen könnte. Weil alles, was ich zum Beispiel hier und heute schreibe, morgen wieder anders sein kann.
Anders sein wird.
Also doch lieber vertagen?
»Verschieb nichts«, sagt meine Vater, »du weißt nicht, ob es morgen erst recht nicht mehr möglich ist.«

Nein, das weiß ich nicht.

Mascha Kaléko schreibt in ihrem Gedicht Möbilierte Melancholie:
Mein bester Freund ist nach Stettin gezogen.
Der Vogel Jonas blieb mir auch nicht treu.
Die Winterlaube hat der Sturm verbogen.
- Nun sitz ich da und warte auf den Mai.

Ist‘s im Mai vorbei?

Mein Vater sagt, aufschieben bringe nichts und meint die Pflicht, die Arbeit, nicht jedoch das Untätig-Sein in dem Sinne, was mein Liebster darunter versteht (oder meine Tochter) und ein Sammeln, Sich-Sammeln meint, das später dann, später, zurück in die Aktivität führt. Aber auch das Innehalten lässt sich nicht verschieben; vielleicht zulange schon haben wir es verschoben, nun bleibt uns keine Wahl: Wir können es zurzeit nicht verschieben, selbst wenn wir wollten.

Und da wir nicht wissen, was das Morgen bringt, können wir es gleich lassen.
Und da wir nicht wissen, was das Morgen bringt, sind wir frei, uns alles auszumalen, was gehen wird und zu leben, als wäre es schon heute da.

Jetzt ist Jetzt und das Beste, das uns zur Verfügung steht. Und die Wahrheit ist: Zu keiner Zeit, nie, wissen wir, wie das Morgen aussieht, was er bringt, denn: Wir Menschen sind sterblich und daher verletzlich; vielleicht vergessen wir es von Zeit zu Zeit, in unserem Streben nach unendlichem Wachstum.
Nach Unendlichkeit.

Sterbliche Schönheit ist mir oft schmerzlich, sagt der Vampir Louis im Interview mit einem Vampir von Anne Rice.
(Anne Rice, Interview mit einem Vampir (1976), Frankfurt, 1989: 183)

Anders als der moderne Mensch beginnt er im Laufe seines Vampir-Lebens mehr und mehr unter der Ewigkeit zu leiden und neidet den Menschen die Sterblichkeit. Was ihm fehlt ist das, was wir zu überwinden suchen: Die Begrenzung durch den Tod, denn nur das Wissen um die Sterblichkeit ermöglicht das Leben, aber -

- doch noch nicht heute! Verschieben wir es noch ein bisschen.

Der Tod lacht und scherzt und kommt, wann immer er will. 
Eben noch beschließt er, nach Kislowodsk zu verreisen, - der Fremde sah durch die Augenschlitze Berlioz an, - ist ja auch keine große Sache, nicht wahr? Doch ist er nicht einmal dazu mehr fähig, weil er aus Gott weiß welchem Grund plötzlich ausrutscht und - schwups! - unter eine Trambahn gerät. 
(Michail Bulgakow, Meister und Margarita (1966), München, 2015: 19) 

In meinem Jugendbuch Saskias Gespenster dagegen weiß der Junge Oskar, dass ihm nicht viel Zeit bleibt. Eine Krankheit kündigt an, dass sie ihn bald schon sterben lassen wird. In diesem Falle wundert es mich nicht, dass er diesen Spruch klopft, der meinem Vater gefällt:
»Vertagen wir unsere Verabredung eben auf nächste Woche.« Er zwinkerte ihr zu. »Was ich nur ungern tue, denn was du heute kannst besorgen ...«
»... das verschiebe nicht auf morgen«, ergänzte Saskia.
Den Spruch kannte sie zur Genüge von ihren Eltern.
 
Wollen wir wirklich wissen, wann es soweit ist? Ist das besser? Für Bulgakows bedauernswerten Berlioz, den die Tram überfährt, wäre es zu dem Zeitpunkt, an dem er von seinem baldigen Ende erfährt, ohnehin zu spät gewesen, seine Reise nach Kislowodsk vorzuverlegen. Aber vielleicht hätte er überlegt, noch einmal spazieren zu gehen. Oder sein Buch zu Ende zu lesen. 

»Was du heute kannst besorgen ...«

Schon gut, schon gut. Es stimmt ja, wenn ihr mich fragt, Leute: Verschiebt nichts und am wenigsten das Leben, welches das Blitzen und Rauschen und Jubilieren miteinschließt. Den Spaziergang, das Singen, das Spielen, die Pause, die Arbeit (egal, wie sinnvoll oder sinnlos es derzeit zu sein scheint) und das Lieben, das zuallererst. Denn was bringt es, alles zu verschieben auf die Zeit DANACH? Nach der Arbeit, nach der Pflicht, nach dem Corona-Virus? Wie sinnvoll ist das, wenn wir doch sterblich sind? Lebt wild und gefährlich. Hier und jetzt und heute. Und morgen auch noch, so Gott will.

Das weiß allein der Teufel.

Und deshalb: Auch, wenn ich alle Sprüche nur mehr sparsam verwenden werde in Zukunft, ich meine es ernst: Mein Dank gehört dir, Papa.

Ich sollte es ihm heute noch sagen.


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