Entschuldigung, wo bitte ist hier der
Notausgang?
Texte und Fotos von Erich Klinger
Den Ausgang, den die Rolling Stones
dereinst bei „Exile on main street“ wählten, kann ich nicht mehr
empfehlen, Ausgänge, die auf Hauptstraßen verweisen, enden mit
ziemlicher Sicherheit in der einen oder anderen Road to hell. Dazu
später.
Ich bestreite nicht, dass es einige
Gründe gibt, der Nationalratswahl im kommenden Jahr mit großem
Unbehagen entgegen zu blicken, mit der Aussicht auf eine erstarkte
FPÖ zumindest in der Regierung und zuvor Wahlplakate und -slogans,
bei denen es mensch nur mehr den Magen umdrehen kann.
Wem vor der FPÖ graust, der/die möge
sich bitte zu Gemüte führen, welches FPÖ-würdige Personal bereits
seitens der ÖVP im Einsatz ist – ein Metier, in dem aber auch die
SPÖ in der Vergangenheit zu punkten wusste.
Sozial- und Integrationslandesrat
Wolfgang Hattmannsdorfer – in Suchmaschinen mannigfach aufzufinden,
während Schriftstellerkollege Bernhard Hatmanstorfer unbekannt
scheint – hat heute im ö1-Morgenjournal sehr deutlich anklingen
lassen, wie nahe sich ÖVP und FPÖ in vielen Belangen sind.
Hattmannsdorfer erweckte dabei den
Eindruck, sämtliche Asylwerbende würden in Oberösterreich bestens
versorgt und sorgenfrei im All-Inclusive-Modus leben.
Daher müsse man ihnen klar machen,
dass es keine Rechte ohne Verpflichtungen gibt – daher die
Verpflichtung, im Aufnehmerland gemeinnützige Arbeit zu leisten,
Aufbesserung des Taschengeldes inklusive.
Den freien Zugang zum Arbeitsmarkt für
Asylwerbende lehne er allerdings ab, so Hattmannsdorfer, schließlich
wolle man die Wirtschaftsmigration nicht fördern. Aha.
Und da offenkundig die Zahl jener
Wahlberechtigten steigt, die Asylwerbende vor allem als fragwürdige
Nutznießende der großzügigen Aufnahmegesellschaft sehen, als
Personen, die noch nichts in Sozialsystem eingezahlt hätten –
danke für die Etablierung dieses menschenverachtenden Schwachsinns
insbesondere an PolitikerInnen der ÖVP – will und kann und darf
man nun bundesländerweise eine verschärfte Arbeitspflicht für
Asylwerbende einführen.
Man müsse die Asylwerbenden aus ihrer
Komfortzone holen, so Hattmannsdorfer sinngemäß, und ihnen klar
machen, dass „Deutsch“ und „Arbeit“ die Grundpfeiler eines
Verbleibs in OÖ seien.
(Da es bei uns keine Nazis mehr
gibt, müssen wir uns an dieser Stelle mit einem behaglichen Grunzen
aus zahlreichen Gräbern begnügen....)
Auch andere Sozial- bzw.
FlüchtlingsreferentInnen in den Bundesländern sind der verschärften
Verpflichtung für Aslywerbende zur Arbeit im kommunalen Rahmen
durchaus zugetan, einzig der Wiener Stadtrat Peter Hacker hält „eine
Verpflichtung zur Arbeit für Flüchtlinge nicht vereinbar mit den
Menschenrechten.“
Während gerade in Linz Schnee in
dichten Flocken fällt, man also durchaus meinen könnte, es sei ja
zwischendurch doch alles im Lot, geht das Klimakonferenzspektakel in
Dubei seinem Ende zu – ein Ende ohne Schrecken für die Öl- und
Gaskonzerne und wohl auch für die sonstigen Haupt- und
Mitverursacher der herandräuenden Klimakatastrophe.
Hans Joachim Schnellnhuber,
Generaldirektor des Internationalen Instituts für angewandte
Systemanalyse mit Sitz im nö. Laxenburg, äußerte sich am 4.12. bei
Martin Thür in der ZIB 2 in schonungsloser Klarheit zum fraglich
gewordenen Fortbestand der Menschheit.
Er legte offen, dass die Erreichung des
Paris-Zieles, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur
vorindustriellen Zeit zu begrenzen, bereits illusorisch geworden und
nicht einmal mehr bei sofortigem Stopp der Ausbringung
klimaschädlicher Emissionen erreichbar sei, dass wir bereits auf 2
Grad Plus zusteuern und ohne sofortiges wirksames Gegensteuern auch
diese Marke in Kürze überschreiten könnten und dass in weiterer
Folge bei 3 Grad durchschnittlicher Erderwärmung der bisherige
Lebensraum von 2 bis 3 Milliarden Menschen in den inneren Tropen de
facto unbewohnbar würde, weil aufgrund des Zusammenspiels von Hitze
und Luftfeuchtigkeit bereits relativ kurze Aufenthalte im Freien tödlich wären.
Meine Rückschlüsse: entweder geht ein
doch beträchtlicher Teil der Menschheit wissenschaftlichen
Unkenrufer*innen, Katastrophen-Apostel*innen und geltungssüchtigen,
schicksalsschwangeren Untergangsprophet*innen seit Jahren und
Jahrzehnten auf den Leim oder jene, die vorgeben, für uns
verantwortlich zu handeln, also Politik zu betreiben bzw. jene, die
bestehende Wirtschaftssysteme am Laufen halten, steuern mit uns an
Bord gezielt auf eine Apokalypse der Menschheit zu, auch im
Irrglauben, man würde eine technische Lösung für die mit jedem Tag
dringender werdenden Probleme aus dem Hut zaubern.
Und wir in Mitteleuropa, in China, in
Nordamerika und auch in Russland wären ja ohnehin fein raus, weil
die ärgsten Folgen ja weit weit weg zu erwarten sind und irgendwie
würden wir das ja handlen können. Na gut, nicht für alle,
natürlich würden auch bei uns Menschen auf der Strecke bleiben –
das tun sie auch jetzt schon, siehe Hitzesommer, Überschwemmungen –
doch sei es nicht von Anfang an klar, dass das Leben gefährlich sei
und dass nicht alle auf der Butterseite leben können?
Welch' Zynismus, dass der in Dubai
beschlossene Klimafolgen-Entschädigungsfonds aktuell mit 200 Mio.
US-$ - aus Deutschland und den Arabischen Emiraten – ausgewiesen
ist, Finanzzusagen aus Grossbritannien, Japan und den USA sind ebenso
bloße kosmetische Maßnahmen. Laut Schellnhuber bräuchte dieser
Fonds die tausendfache Summe, 200 Mrd. US-$, um künftig wirkungsvoll
sein zu können.
Österreich mit seinem 1/1000 der
Weltbevölkerung ist für 1/500 der CO²-Emissionen verantwortlich,
müsste somit 400 Mio. US-$ = 371,5 Mio. € zu einem
Entschädigungsfonds für Klimafolgen beitragen.
Ein zu optimistisch scheinender Ansatz
in einem Land, in dem der ehemalige Biathlet Dominik Landertinger als
Mitorganisator nordischer Bewerbe im Tiroler Hochfilzen auf die Frage
zu möglichen Protesten der Letzten Generation nahezu
widerspruchslos sagen kann, dass es den Klimaschützern doch nur um
Selbstdarstellung und Inszenierung gehe und dass China, Russland, die
USA und Indien im Klimaschutz vorangehen müssten, aber doch nicht
das kleine Österreich.
Ein Irrtum, denn so
wenig „das kleine Österreich“ alleine das Weltklima retten kann,
so wenig ist es unbedeutend, was im eigenen Land passiert – besser
gesagt: vor allem auf die lange Bank geschoben bzw. ignoriert
wird. Gerade der Alpenraum ist extrem gefährdet, auch durch
Temperaturanstiege über den Durchschnitt hinaus und ein deutlicher
Anstieg von Hitzetoten und Opfern von Unwettern kann ohne
Übertreibung verlässlich vorhergesagt werden.
Interessant wäre auch eine zusätzliche
Emissionsbilanz aus Einfuhr und Ausfuhr von Produkten, d.h. welche
Emissionen müssen für in Österreich konsumierte Produkte aus
anderen Ländern hinzugerechnet werden, was kann abgezogen werden für
Produkte aus Österreich, die in andere Länder exportiert werden.
Österreich wird laut Ministerin
Gewessler 35 Mio. € = 37,71 Mio. US-$ für Frühwarnsysteme und
Anpassungsmaßnahmen an den „Klimawandel“ zur Verfügung stellen,
ein Beitrag für den Klimafolgen-Entschädigungsfonds steht aber noch
aus.
In den 2010 beschlossenen Green Climate
Fund (GCF), der 2015 wirksam wurde und bis dato mit insgesamt gut 19
Mrd. US-$ „gefüllt“ war, wird Österreich für die Periode 2024
bis 2027 eine Summe von 160 Mio. € = 172,38 Mio. US-$ einbringen.
Gesamtsumme für die genannte Periode 9,322 Mrd. US-$, 2 Mrd. € =
2,155 Mrd. US-$ davon aus Deutschland und eine gleich hohe Summe aus
Großbritannien. Der österreichische Beitrag zum GCF beträgt
demnäch 8% des deutschen Beitrags, bei CO²-Vergleichszahlen von
0,22% zu 2% müssten es aber knapp 11% sein.
OPEC-Generalsekretär Haitham al-Ghais hatte am 6.
Dezember an die 13 Mitgliedsstaaten seiner Organisation Erdöl und
Gas produzierender Länder sowie weitere zehn mit ihr verbündete
Länder geschrieben, es bestehe „äußerste Dringlichkeit“, sich
in Dubai Beschlüssen zur Abkehr von fossilen Energien zu
widersetzen, und weiters: „Es scheint, dass der ungerechtfertigte
und unverhältnismäßige Druck gegen fossile Energien einen
Kipppunkt mit unumkehrbaren Konsequenzen erreichen könnte“.
So spricht oder kommuniziert der Öl-Schelm in Anlehnung an die
Kipppunkte des Weltklimas - auch so kann man Warnungen entschärfen,
in dem man deren Sprache übernimmt.
Laut Copernicus-Atmosphärendienst wurden 2023 durch die
Waldbrände in Canada knapp ein Viertel der globalen
Kohlenstoffemissionen aus Waldbränden freigesetzt, angesichts des
trotz wüster Rodungen für die Holzindustrie hohen Waldanteils nicht
verwunderlich, doch ein sehr deutliches Alarmzeichen.
Alarmierend auch die „Klima- und Ökobilanz“ von Kriegen,
beispielsweise in der Ukraine, für mich ein zusätzlicher Aspekt,
wenigstens einen Waffenstillstand anzustreben.
Ebenfalls verfahren ist die Lage in und um Israel:
Ich meine, dass die Überfälle der Hamas am 7. Oktober in ihrer
Bestialität eine Zäsur darstellen und als einzigartiges Ereignis zu
sehen sind.
Ich meine aber auch, dass das politische und
militärische Vorgehen Israels ständig neue Gewalt gebiert, obwohl
verständlich scheint, dass man der Hamas begegnen muss.
Auch kann ich die humanen Katastrophen als Konsequenzen eines
Aktes der Selbstverteidigung nicht nachvollziehen geschweige denn
„gutheißen“, von wegen Kollateralschäden.
Nicht vergessen sollte man aber auch, dass dass sich viele
Menschen in Israel seit Jahren in einem Prozess ständiger Bedrohung
vor allem durch Raketenangriffe der Hamas befinden und dass nur mit
einem Unsummen verschlingenden militärischen Abwehrsystem halbwegs
zivile Verhältnisse möglich sind.
Gleichzeitig wird mit dem
äußerst gewaltvollen Vorgehen ultranationalistischer israelischer
Siedler im Westjordanland ebenfalls ständig Öl ins Feuer gegossen.
In Folge von Polizeieinsätzen – police operations – treffen
am Nachmittag des 12. Dezember nicht nur einige aus Richtung Wien
kommende Schnellzüge mit teils beträchtlicher Verspätung in Linz
Hbf ein, auch der REX 4409 aus Stainach-Irdning ist mit bis zu 20
Minuten Verspätung unterwegs, die bis Linz auf 12 Minuten reduziert
werden, da sich die Überholung durch RJ und WESTBAHN in Lambach
erübrigt hat.
Ein in Wels Hbf zugestiegenes Quartett testosterongesteuerter
Spätjugendlicher benutzte den Zug, um auch im Namen Allahs zur
Racheaktion – an wem auch immer – in Linz und am Taubenmarkt zu
gelangen, wirklich beruhigend das Faktum, dass einer der vier sagte
„kann nicht schlagen, bin auf Bewährung.“
Und ich frage mich, was in diesen Köpfen herumspukt, in welchem
Umfeld diese Burschen leben, dass sie so beisammen sind.
Links zum Text:
https://www.derstandard.at/story/3000000198657/laender-beraten-ueber-moegliche-arbeitspflicht-fuer-asylwerber
https://www.nachrichten.at/sport/wintersport/ski-nordisch/dominik-landertinger-die-sollten-die-kirche-im-dorf-lassen;art193190,3903443
https://www.nachrichten.at/wirtschaft/oesterreich-stellt-35-millionen-euro-fuer-den-globalen-sueden-bereit;art15,3904301
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/gruener-klimafonds-gcf-100.html
Die Fotostrecke besteht diesmal aus Fotos, die allesamt in den
letzten Wochen, konkret im Zeitraum 16.11. bis 10.12.2023, entstanden
sind und zwar
beim Almkanal Salzburg,
dem Gollinger Wasserfall, auf
der Fahrt nach Salzburg,
am Hbf Linz,
in Waidhofen/Ybbs,
am Bf
Gaisbach-Wartberg,
bei der Vorbeifahrt an der Voest bzw. über die Steyreggerbrücke,
in Kefermarkt,
bei der Vorbeifahrt am Stausee bei
Wienerbruck bzw. nahe Gösing – auf der Fahrt nach Mariazell.