Freitag, 10. Januar 2020

Fast. Eine Rezension

[Dominika Meindl im "Falter"]
 

Auf stolzen 600 Seiten und mit Dutzenden Collagen legt Hans Eichhorn die Notizen eines stillen Betrachters vor, der denselben Blick auf den Attersee wirft wie auf die Ereignisse der Gegenwart. Die Genauigkeit der landschaftlichen wie der sprachlichen Wahrnehmungen kommt nicht von ungefähr, ist doch das Beobachten für seine beiden Professionen als Lyriker wie als Berufsfischer unerlässlich. „Um also irgendetwas in Bewegung zu bringen, muss es gegen den eigenen Kopf gedacht werden.“ Trotz phonetischer Assoziationen, lyrischer Anwandlungen sind die „Wiederholungen“ nicht unpolitisch. Und trotz des experimentellen Zugangs ist ihre Lektüre nicht mühsam. Das Lyrische, die Natur und das Profane mischen sich locker. Synchron und oft unvermittelt stehen die Sätze über den Einmarsch Hitlers neben jenen über das Ausnehmen von Forellen. News-Fetzen fliegen vorüber. Wenn der soeben mit dem Georg-Trakl- und dem Gleißner-Preis Ausgezeichnete über Bud Spencer, die Ärgernisse des Warenumtausches, den Wahlkampf, das alljährliche Todesopfer des Attersees oder Rhythmusstörungen schreibt, hat das stets metaphorischen Mehrwert. „Übrig bleibt der Arabische Frühling und das gegenseitige Abschlachten auf ein Neues hin. Nichts tun, nur schauen, zuschauen, wie der Gärtner mit einer verzinkten Scheibtruhe ausfährt, das tut gut und mit diesem Guttun hat es sich schon, zumindest für diesen Moment, der alles ist und alles gewesen ist und wie niemals war. Wie schön!“ Ein schöner Ziegel!

Hans Eichhorn: FAST das Große Haus. Wiederholungen. Bibliothek der Provinz, 600 S., € 44

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