Dienstag, 14. Mai 2019

Nun haben wir alle den Scherm auf.

Eine Blut-und-Boden-Posse und ein Vorschlag zur Güte

Lieber Herr Landeshauptmann, werte Mitglieder der Landesregierung,
Sie haben – wenn auch nicht einstimmig, das schätzen wir – die Nominierung der FPÖ akzeptiert und damit den rechtsextremen Kunstmaler Odin Wiesinger in den Landeskulturbeirat gewählt. Mit dieser Handlung haben Sie dieses Gremium vollends der Lächerlichkeit preisgegeben, darüber hinaus aber der Kulturlandschaft schweren Schaden zugefügt. Man kann zu dieser Posse stehen, wie man will: Ja, der LKB ist zahnlos, weil von der Politik weitgehend ignoriert. Ja, die FPÖ hat ein Stück inszeniert, in dem wir alle unsere Rollen eingenommen haben. Ja, die Medien bauschen die Sache freudig auf. Ja, die Provokation ist gelungen – wir ärgern uns maßlos. Ja, bei vielen Menschen kommt jetzt die gewünschte Botschaft an, wir KünstlerInnen selbst würden die Freiheit der Kunst beschneiden.
Fest steht: Durch die dumme Angelegenheit ist der Rechtsextremismus in Oberösterreich ein Stück weiter integriert worden. Die Strategie ist gelungen: Legitimierung und Normalisierung über die Gremien. Wir sehen in der Entsendung eines Mannes, der Frauen ein „hässliches und dummes Stück Fleisch“ und Bildserien „Endsieg“ nennt, den Beweis einer Führungsschwäche. Sofern diese Art des Aktionismus einen derartigen Anklang findet, wird die Politik eben nicht mehr so glaubwürdig sein, wenn sie beispielsweise bei Zuwanderern den Respekt gegenüber Frauen einfordert, einen Wertekatalog predigt und vor Radikalisierung warnt.
Weil wir aber immer am Dialog und an der Konstruktivität interessiert sind, schlagen wir als ersten Schritt zur Wiedergutmachung vor – wie im offenen Brief von KUPF und gfk gefordert –, das neue Kulturleitbild mit diesem Satz beginnen zu lassen: 

Ein neues Kulturleitbild muss ein ganz klares und glaubwürdiges Bekenntnis zu einer demokratischen, offenen, inklusiven Kulturpolitik enthalten, die alle rechtsextremen, identitären Kultur- und Heimatbilder, die sich aus einer Geisteshaltung ableiten, von der Österreich 1945 befreit wurde, eindeutig ablehnt.“ 

In der Hoffnung, hier für Kunst und Kultur in Oberösterreich an einem Strang zu ziehen, verbleiben wir mit freundlichen Grüßen:
Die Mitglieder der Grazer Autorinnen Autorenversammlung Oberösterreich, des P.E.N. Oberösterreich, des Linzer AutorInnenkreises, des Experiments Literatur Wels sowie der Vereine „Original Linzer Worte“ und „Post Skriptum Poetry Slam“

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