Donnerstag, 12. Dezember 2019

Partner-Tauschhandlung. Über René Freunds "Swinging Bells"

Rezension von Dominika Meindl (Falter 50/2019)

Weihnachten bietet ein weites Feld des Scheiterns, und Weihnachtsliteratur sowieso. Das Fest, das René Freund in „Swinging Bell“ beschreibt, geht ziemlich in die Hose – sein Roman jedoch nicht. Und das, obwohl man den vermeintlichen Twist bald errät: Die spießigen Enddreißiger Sandra und Thomas wollen endlich ohne Herkunftsfamilie feiern, „das schönste Weihnachten unseres Lebens“! Stört nur, dass die Online-Käufer das auf einem Online-Portal angebotene Doppelbett ausgerechnet heute, am Heiligen Abend abholen wollen. Als es läutet, stehen Elisabeth und Leo vor der Tür, die ihre Beziehung über Partnertausch-Plattformen beleben will und sich über die einschlägige Einladung ausgerechnet am Heiligen Abend wundern. Bald sitzen die vier befangen und über die Verwechslung aufgeklärt in der Wohnlandschaft. Es folgt keine seichte Verwechslungskomödie, sondern ein tatsächlich herzerwärmendes, vifes Kammerspiel über die Irrungen und Wirrungen zeitgenössischer Heterosexualität. Das muss nicht überraschen, Freund beherrscht sein Handwerk bestens.


René Freund: Swinging Bells. Roman. Deuticke, 192 S., 18,50 €
Freund und Meindl sind gut befreundet - Urteile über die Objektivität der Rezension können Sie gerne in den Kommentarteil schreiben!

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