Donnerstag, 6. Februar 2020

Hommagen: Bob Dylan, Haruki Murakami und Hermann Bahr

Eine Hommage an die "Hommagen"

Von Dominika Meindl (Text + Fotos)

Die Reihe "Hommagen" in Kooperation mit der Volkshochschule Linz hat mittlerweile eine jahrzehntelange Tradition. Mitglieder der GAV Oö setzen sich an drei Abenden intensiv mit den ganz Großen der Zunft auseinander und präsentieren ihre öffentlichen Ehrerweise. Andreas Weber begleitet und moderiert: "Von Amerika über Japan nach Linz – die Hommagen 2020 waren eine (sehr gut besuchte!) literarische Weltreise durch die Höhen und Tiefen der Weltliteratur."



Den Anfang machte 2020 Walter Kohl, der sich fragte, wie der Nobelpreisträger Bob Dylan seine Ideen gewinnt und seine Stoffe entwickelt. Er verknüpfte die Auseinandersetzung nicht nur mit der eigenen Biographie, sondern näherte sich auch praktisch an. Wie hört sich die Ostblock-Interpretation von "Knockin' on Heaven's Door" an? Warum geht "Blowin' in the Wine" gar nicht mehr? Hat Dylan seine Nobelpreisrede auf dem amerikanischen Pendant von hausarbeiten.de zusammengeklaut - oder nur gesampelt?


Begleitet wurde Walter Kohl - der sich das Gitarrespielen binnen kurzer Zeit autodidaktisch angeeignet hat - von der wunderbaren Sängerin Vaheen Said.



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Eine Woche nach dem tatsächlichen Nobelpreisträger sprach Erich Wimmer über einen ewigen Anwärter: Haruki Murakami. Wimmers enthusiastischer Votrtrag war dazu angetan, Neulinge an das überaus umfangreiche Oeuvre des Langstreckenläufers heranzuführen - wenn auch mit Warnungen. Man laufe Gefahr, in der Landesnervenheilanstalt zu landen, beginne man mit den falschen Büchern!


Wenn wir uns recht erinnern, muss das erste Buch "Die Pilgerreise des farblosen Herrn Tazaki" sein. Bitte Obacht! Gegebenenfalls vermitteln wir an Erich Wimmer, im Dienste Ihrer geistigen Integrität (die Verfasserin hat einst mit "Gefährliche Geliebte" begonnen - und ist hier Team Sigrid Löffler).


Unglaublicher Lese-Einsatz für die "Hommagen" - dem Vernehmen nach ist Wimmer nun froh, sich nach zehn Monaten des Murakamilesens nun wieder die alten Russen lesen zu dürfen.


Karina Lochner kam Wimmer rezitierend und verdienstvoll zu Hilfe.


Über einen "Herrn aus Linz" - wie Karl Kraus polemisierte - sprach am dritten und letzten Hommagen-Mittwoch Elisabeth Strasser: Hermann Bahr. Ein einst weltberühmter "Player" des deutschsprachigen Literaturbetriebs, der heute fast vergessen ist. Sehr viele der von ihm entdeckten und geförderten Talente haben ihn im Lauf der Zeit überflügelt, die Romane werden kaum noch gelesen. Präsent sind sehr wohl noch die Stücke.


Woran liegt das? Möglicherweise an der literarischen Qualität, möglicherweise daran, dass sich Bahr mit Haut und Haar in seine Zeit gestürzt hat. Darin ist er ganz im Gegensatz zu Haruki Murakami, der zeitweise fast autistisch wirkt.


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Die Hommagen wären nichts ohne das Publikum, das heuer ganz besonders zahlreich erschienen ist und durch große Expertise und interessante Fragen die Reihe komplettierte.



Konzeption und Moderation: Andreas Weber. Fotos: Dominika Meindl. Mit Dank an die VHS Linz und Christian Muckenhuber.

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