Donnerstag, 28. Oktober 2021

Gedenkabend für Eugenie Kain

am Donnerstag, 4. November 2021, 19.30 Uhr, im Stifterhaus, Linz

 Im Jänner 2010 ist die Schriftstellerin und langjährige Regionalsprecherin der GAV OÖ, Eugenie Kain, verstorben. Im Jahr 2020 wäre sie sechzig Jahre alt geworden. Zu diesen Anlässen war im Herbst 2020 ein Gedenkabend im Stifterhaus geplant – begleitet von einer ihr gewidmeten Ausstellung und einer Ausgabe der „Rampe“. Aus bekannten Gründen wurde der Gedenkabend verschoben und kann nun am 4. November 2021 nachgeholt werden.

Foto: © D. Meindl


Seit ihrer Jugend literarisch tätig publizierte Eugenie Kain zunächst journalistisch-essayistische Texte in der „Volksstimme“ und in der Zeitschrift „hillinger“. Mit einem Text über die Lebenswelt von Putzfrauen, „Endstation Nasszone“, wurde sie 1982 mit dem Förderpreis „Literatur zur Arbeitswelt“ ausgezeichnet. Später erschienen ihre Texte in Buchform, vom Roman „Atemnot“ über mehrere Erzählbände, wie „Schneckenkönig“, „Sehnsucht nach Tamanrasset“, „Hohe Wasser“, bis zur umfangreichen Erzählung „Flüsterlieder“.


Weggefährten erinnern sich:
Rudolf Habringer, Erich Klinger, Walter Kohl und Richard Wall erzählen von ihren persönlichen Erinnerungen an Eugenie Kain.

Texte und Hörbeiträge:
Texte von Eugenie Kain werden an dem Erinnerungsabend (wieder) zu hören sein, gelesen von Rudolf Habringer und Elisabeth Strasser, sowie Originalaufnahmen aus dem Radio-FRO-Archiv.

Musik:
Katharina Kain und Alenka Maly, „Sisters of another mother“, tragen Lieder aus ihrem Programm „Doch den Mond in der Sicht“ vor.

Gestaltung des Abends: Rudolf Habringer & Elisabeth Strasser

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Die Lange Nacht der GAV OÖ

Ein Abend mit aktueller Literatur aus der Region. 

Es lesen: Bauer, Gölz, Gruber-Rizy, Habringer, Hodina, Kleemayr, Klinger, Knapp, Mairhofer, Meindl, Menzinger, Mitterndorfer, Rieger, Silberer, Spoliti, Stabauer, Steiner, Strasser, Wall, Weber, Wimmer.

21. Oktober 2021 im Stifterhaus Linz, 19.30 Uhr.



Sonntag, 10. Oktober 2021

Vom Kopf auf den Bauch gestellt

Rezension von Luis Stabauer

Den Lesenden erschließt sich, wer und was das „Wunderschöne Tier“ ist und wofür es erschaffen wurde. Verraten wird hier nichts, nur so viel:

Jede Kurzgeschichte, alle Lyrikbeiträge und auch die Liedtexte von Christian Schwetz regen Abenteuer im Kopf an. Erstmals lese ich Lieder-Lyrics, bevor mir Melodien und Interpretationen der Rockgruppe Novi Sad bekannt gewesen sind. Die CD „Wunderschönes Tier“ habe ich noch in Wien gehört, die Texte an meinem Schreibplatz am Attersee gelesen. Der türkise und im Juni noch motorbootverseuchte See konnte mich nicht ablenken. Die Wort-, Gedanken- und Rhythmusspiele Christan Schwetz‘ sind stärker, haben eigene Ideen provo- und produziert, mich eine Woche lang hineingezogen.

Zum Beispiel:

„ …
Ich schreibe:
Gott ist in Wirklichkeit Waffenhändler.
Aber Ruhe ist nie.
Und wenn ich alle Worte schwarz übermale,
und wenn ich sie aus der Welt kratze.
Ruhe ist nie.

Ich schreibe aus dem Hinterhalt.“

Oder aus dem Lied „Das Blaue vom Himmel“

„ …
Komm sprich mir ein Wörterbuch, dann werde ich gesund
Ich geh für dich durch die Wand, du die Wand hoch hinauf
Ich schwimm durch die Nudelsuppe, der Teller ist rund
Doch ein Spiel und ein Leben gibt man niemals auf.
…“

Wer Regeln brechen will, muss sie kennen, wer Poesie vom Kopf auf den Bauch stellt, erzeugt Lust am Leben und Freude am Formulieren. Vielleicht ist seine einzige Regel: Im Spiel Danebendenken!

Für meine literarische Ordnung habe ich mir Schubladen eingerichtet. „Wunderschönes Tier“ von Christian Schwetz ist anarchistische Literatur, mit einem Schuss Dada. Herrlich quer-, um-, daneben-, gegen-, sowie nachgedacht und geschrieben.

Bravo, Bravo, der Inhalt ist von der editionlibica schön gestaltet. Der Druck hat mich anfangs ob der Schattierungen irritiert, der Verlag hat mich über die Absicht aufgeklärt. Das Buch ist unbedingt zu empfehlen.

Der erste Auftritt von Christian Schwetz, gemeinsam mit Novi Sad, im September in Wien, war ein besonderes Literaturrock Erlebnis. Sehr würdig, im Wiener Konzerthaus oder im Radiokulturhaus aufgeführt zu werden.

Buch: Wunderschönes Tier
Autor: Christian Schwetz
Verlag: edition libica

ISBN: 978-3-903137-33-2

Mittwoch, 29. September 2021

Flucht nachfühlbar gemacht

 Kurt Mitterndorfers Poem »GEH!« auch auf CD

Geh! Geh weiter! Nicht anhalten! Bleib nicht stehen! Nicht rasten!, mahnt sich der Mann, der aus Syrien geflüchtet ist, in Kurt Mitterndorfers Text »GEH!«, aber auch: Denk nicht nach! Nicht an die Vergangenheit und nicht an die Zukunft. Denken ist gefährlich! Denken kann dich umbringen! Nicht denken, solang du gehen musst!

Der Autor, auch bildender Künstler und – das muss in diesem Fall erwähnt werden – ehemalige Lehrer weiß, wovon er erzählt; und das hat er zuletzt zusammen mit dem Musiker Chris Herman auf CD nachhörbar gemacht. Im Winter 2015/16 begann er gemeinsam mit seiner Frau Barbara und anderen Freiwilligen, Menschen, die vor Terror und Krieg aus Syrien geflüchtet und schließlich in Linz gestrandet waren, Deutsch beizubringen. Daraus entwickelt sich später der Verein Zu-Flucht, der Geflüchteten die Integration erleichtern soll.

Verbunden mit dem Deutschunterricht waren aber auch Gespräche, in denen die Asylwerber von ihren Erlebnissen während der Flucht berichteten, von der Einsamkeit – Bleib im Wald! Lass dich nicht erwischen! –, von den Ängsten – Pass auf, dass du nicht fällst! Nur nicht verletzen! – von Menschen, die man lieber nicht kennengelernt hätte, von monatelangen Erniedrigungen und wochenlangem Sklavendasein. Aber auch vom Hunger, wenn das letzte Stück Brot vor Stunden gegessen, vom Durst, wenn die Trinkflasche leer war und der Weg ins nächste Dorf zu gefährlich schien. Vom Warten und Verharren bis zur Anspannung aller Kräfte. Zweieinhalb Tage sei er irgendwo in Serbien ununterbrochen gegangen, schilderte einer der Asylwerber – und das war für Kurt Mitterndorfer, wie er erzählt, wohl der Ausgangspunkt für das We
rk, aus dem er seither mitunter auch schon Teile daraus vortrug.

Dazu kam, dass der Autor im Frühjahr 2019 den Musiker Chris Herman kennenlernte, woraus in der Folge die Zusammenarbeit an einer durchgehenden Gestaltung des Poems entstand. Im Vortrag der einzelnen Abschnitte wird der monotone Rhythmus des Gehens klanglich verstärkt und zwischen die Abschnitte passt Chris Herman expressive Soundcollagen ein. Daraus entsteht ein Hörerlebnis, das auf eindringliche Weise die Fluchterlebnisse nachfühlbar macht.

Trotz aller Ermahnung gelingt es dem Flüchtenden selbstverständlich nicht, nicht zu denken, weder an die Vergangenheit noch an die Zukunft. Da ist das Zuhause, das es für ihn nicht mehr geben wird; schließlich hat er seine Familie, seine Freunde und die vertraute Umgebung zurückgelassen, um dem Chaos des Kriegs zu entgehen. Nicht zurückschauen!, sagt er sich, und weiß ebensowenig, was die Zukunft bringen wird. Da ist die Hoffnung auf Frieden und Sicherheit, aber wird sie den Bildern entsprechen, die er sich aus Prospekten zusammengebastelt hat? Wird er ein Ziel erreichen? Oder wird auch er irgendwann zurückbleiben, wie jene Frau, die beim Anstieg auf den Berg dann nicht mehr da war? Er konnte ihr nicht helfen, da er selbst bereits zu erschöpft war. Und diese Erschöpfung ist für den Zuhörer, der den Flüchtling die Dauer der CD von etwa 70 Minuten begleitet hat, durchaus nachfühlbar.

Helmut Rizy


Chris Herman, Kurt Mitterndorfer: GEH! Oracle-Studio 2020. 15 €

Dienstag, 21. September 2021

SCHAURIG, SPANNEND, RÄTSELHAFT

 Am Dienstag, den 28. September 2021 liest Dietmar Füssel ab 19 Uhr aus seinem neuen Roman ‚Ricardi‘.



Füssels neuer Roman ist eine originelle Verknüpfung einer melancholischen Liebesgeschichte mit Elementen des klassischen Schauerromans. Er erzählt die Geschichte dreier junger Künstler, deren Leben sich durch die Begegnung mit einem mysteriösen Gemälde aus dem 17. Jahrhundert mehr und mehr in einen Alptraum verwandelt. Dieser Alptraum gipfelt in einer erschreckend realistischen Vision, deren wahre Bedeutung der Hauptheld und Ich-Erzähler erst viele Jahre später erkennt. Und auch wenn das Leben weitergeht, ist doch nichts mehr wie zuvor.

„Schlafende Hunde soll man nicht wecken. Und erst recht keine schlafenden Dämonen.“

Da Dietmar Füssel vor einigen Monaten nach St. Georgen im Attergau übersiedelt ist, ist diese Lesung möglicherweise für längere Zeit seine letzte in seiner langjährigen Heimatstadt Ried.

(Franziskushaus, Riedholzstr. 15 a, Ried i.I., Dienstag, 28. September 2021, 19 Uhr, Eintritt: € 8,00)

Mittwoch, 21. Juli 2021

Zeit für Utopien zwischendurch?

Reflexionen zum Thema „Utopien“ angeregt durch die Online-Aufführung eines Lesedramas von Corinna Antelmann

von Elisabeth Strasser


Ist heute eine Zeit für Utopien?
Oder eine Zeit, über Utopien nachzudenken, wenn schon nicht, sich welche auszudenken?

Einen Versuch in diese Richtung unternahm Corinna Antelmann am Sonntag, 4. Juli 2021.
Unter dem Titel „Wir werden so lange werkeln, bis alles ist, wie wir es haben wollen“ begann um 19 Uhr eine Live-Online-Lesung, der Antelmanns Theaterstück „Der Schwierige Raum“ in stark gekürzter Fassung zugrunde lag. Die Autorin selbst übernahm dabei eine Rolle, weiters Thomas Bammer und Florentina Kutschera – beide in der jeweiligen Rolle als ultra-realistischer Skeptiker und als abgehobene Idealistin trefflich besetzt. Christian Oberndorfer trug mit Digitalisierungsberatung zum Gelingen bei. Und nicht zuletzt übernahm das Publikum eine durchaus nicht unwichtige Rolle: in Form einer Abstimmung am Ende.


Online-Format

In einer Zeit, in der – endlich – wieder Veranstaltungen in der realen Welt möglich sind, gab es also eine Online-Lesung mit Publikumsbeteiligung mittels Zoom.

Geplant war dies natürlich schon lange, zu einer Zeit, zu der noch nicht absehbar war, wann Lesungen wieder durchführbar sind. Dieser den Umständen geschuldete Aspekt ist evident, trotzdem passte diese Form treffend zu dem Thema (Vergleichbares wurde bereits mit der „Utopischen Nacht“ im Oktober 2020 in der Echtwelt, in Ottensheim, aufgeführt *), denn die digitale Welt hat etwas Utopisches an sich, das vor einigen Jahrzehnten noch völlig unvorstellbar gewesen wäre. Mit all ihren Gefahren freilich, die von Totalüberwachung bis Falschinformationen reichen, sodass das Dystopische nicht weit entfernt ist. Jedenfalls wurde mit dieser Form möglich, dass theoretisch Menschen auf der ganzen Welt daran hätten teilhaben können, sofern sie davon wussten oder zufällig darauf stießen. Dennoch erstaunlich, dass die Zahl der Anteilnehmenden … nun, recht überschaubar war. – Woran das lag, darüber mag man spekulieren: am Wetter, an der gleichzeitigen Fußball-EM, an der Übersättigung durch Online-Formate … Oder am Thema gar?


Der leere Raum, kopflastige Denkkonstrukte und Utopien zu Utopien

Das Lesedrama beginnt mit der Vorstellung eines leeren Raumes, oder eines weißen Blattes. Mit dem Traum, alles von Menschen Gemachte von Anfang an neu zu gestalten. Oder den Reset-Knopf zu drücken. Ein Schöpfungsakt, der eine Welt nach den eigenen Vorstellungen zu entwickeln vermag. Vorstellungen, die sich – sobald zwei oder mehr Personen beteiligt sind –, durchaus widersprechen können. Da fangen bereits die Probleme aller Utopien an. Bestenfalls werden Kompromisse möglich.

Utopien – von denen einige historische im Lesedrama vorgestellt werden – entstehen jedoch nicht im leeren Raum. Und den Reset-Knopf, der alles auf Start zurücksetzt, gibt es in der realen Welt nicht. Utopien sind eine Reaktion auf gegebene Verhältnisse, auf gesellschaftliche Verfallserscheinungen, auf eine Welt, die weit entfernt ist von einer gerechten Welt und einem idealen Zusammenleben. Aus dem „so ist es, und wir wissen, dass es so nicht gut ist“ entwickeln sich Vorstellungen, wie es besser sein könnte. Gedankenkonstrukte.

So faszinierend die Vorstellung auch ist, eine Gesellschaftsordnung gleichsam auf dem Reißbrett zu entwerfen, kann es so nicht funktionieren. Dafür ist das Leben zu vielschichtig, zu komplex. Kein einzelner Mensch kann alles, was das menschliche Zusammenleben und dessen Organisierung betrifft, vollständig überblicken und für alles eine Lösung finden. Und schon gar keine, bei der sich nicht einzelne oder viele ausgegrenzt, übergangen und benachteiligt fühlen, oder andere sich ihre Schlupflöcher suchen, um Reichtum und Macht anzuhäufen und damit für neue Ungerechtigkeit sorgen. Das ist wohl der Grund, warum Utopien durchwegs scheiterten, sofern sie in ganz wenigen Fällen überhaupt umgesetzt wurden, und schlimmstenfalls genau das Gegenteil des Beabsichtigten, eine gerechtere und freiere Gesellschaft nämlich, eintrat und es in Diktatur und Zwangsherrschaft endete.

Trotzdem: Wenn es nicht immer wieder Menschen gibt, die sich Alternativen überlegen, ihre Vorstellungen einbringen, wie eine gerechtere Welt und eine freiere Gesellschaft möglich werden, sind wir eigentlich am Ende. Alles würde stillstehen in einem trostlosen, hoffnungslosen Zustand, darum braucht es immer wieder neue Ansätze. Und Utopien. Allerdings besser nicht in der Form, dass ein einzelner Mensch – sei er noch so gebildet und wohlmeinend – sich etwas überlegt. Auch nicht in der Form, dass eine Gruppe – sei sie auch noch so breit vielerlei Interessen abbildend – das tut. Eine wirkliche Utopie für Utopien wäre, dass immer mehr Menschen sich dessen bewusst werden, was ein gelingendes Leben und eine gerechte Gesellschaft ausmacht und danach – freiwillig – handeln. Damit verbunden wäre jedoch eine radikale Änderung der Einstellung der meisten gegenüber der Gesellschaft und dem ganzen Leben. Was dem entgegensteht, liegt in der menschlichen Natur begründet, in der Angst (von Existenzangst bis Verlustangst) und mangelndes Vertrauen (in sich selbst, in anderen Menschen oder ins Transzendente) allzu stark sind, woraus all das, was ein gutes Leben für möglichst viele verhindert, hervorgeht: Gier, Machtmissbrauch, Ausbeutung, Neid, Eifersucht und was es derlei noch allerlei gibt.

Wie käme es, wie kämen wir dazu, diese Einstellung zu ändern? Das ist die schwierigste aller Fragen, denn diese Änderung der Einstellung müsste bei allen Einzelnen aus freiem Willen geschehen, wenn dem nicht so ist, wäre schon wieder Zwang nötig, der der wirklichen Utopie einer gerechten und freien Gesellschaft widerspricht.
Erziehung, Bildung – in Form von Wissen genauso wie Herzensbildung – könnten einen wesentlichen Beitrag leisten. Genauso wie die Kunst, einerseits im Darstellen des Besseren, andererseits in der Warnung: Wenn wir so miteinander und mit der Umwelt umgehen, kann es nur böse enden.

Das wären und sind kleine Schritte, die tatsächlich auch geschehen sind und geschehen.
Darauf dürfen wir nämlich nicht vergessen: Bei allem Kritikwürdigen, bei allen Rückschritten, die sich immer wieder ereignen, tat sich im Laufe der Geschichte doch einiges in Richtung einer besseren Welt. Und etliches davon war letztendlich von jenen angeregt, die ihre Utopien vorstellten, nicht unbedingt, um sie eins zu eins real umgesetzt zu sehen, sondern um Gegebenes zu hinterfragen, und die damit immer aufs Neue Menschen dazu brachten, ihre Ideen weiterzutragen und neu in ihrer Zeit aufzugreifen.

Der wichtigste Schritt ist ohnehin, dass jede und jeder versucht, im eigenen Einflussbereich das Bestmöglichste zu tun. Und auch die Hoffnung, dass andere da sind auf dem Weg, die zur Seite stehen, wenn man selbst nicht mehr weiterweiß und weiter kann, den Mut verliert und in Resignation abgleitet. Einige finden sich wohl in jeder Generation, die das Feuer weitertragen.


Alle wollen immer nur das Allerbeste

Das Lesedrama gibt einen guten Überblick über einige der Utopien, die im Laufe der Geschichte, vor allem im 16./17. Jh., entwickelt wurden. Eines der bekanntesten Beispiele ist Thomas Morus‘ „Utopia“ (1516), dazu auch Tommaso Campanellas „Sonnenstadt“ (1602), Johann Valentin Andraes „Christianopolis“ (1619) oder Charles Fouriers Schriften (18./19. Jh.) u.a. über die freie Liebe, sowie Einblicke in matriarchalische Gesellschaften, die eine gute Alternative zur heute üblichen Klein-/Kleinstfamilie eröffneten.

Unter den klassischen Utopie-Modellen finden sich Unterschiede, aber viel mehr Gemeinsamkeiten, die nicht selten auf Ideen des Urvaters der Utopien, nämlich auf Plato und seine „Politeia“, zurückgehen.

Das ganze Lesedrama ist übrigens auf Youtube noch anzusehen:

https://www.youtube.com/watch?v=UmK8Sf-UT34 (beginnt erst bei Minute 18).

Nach der Aufführung des Lesedramas wurden die Zusehenden zu einer Abstimmung eingeladen. Die Fragen dazu mit Antwortmöglichkeit (Mehrfachlösung möglich) deckten sehr gut die Bereiche ab, um die es bei den klassischen Utopie-Modellen im Wesentlichen geht, weil sie die grundlegenden Fragen des Zusammenlebens beinhalten:
Wie gestalten wir die Arbeitswelt, die Wirtschaft, das Bildungssystem? Wie gehen wir mit Besitz um, wie mit Sexualität, wie mit der Natur? Wie sollen Kinder am besten aufwachsen?

Wirklich spannend wäre eine solche Abstimmung natürlich, wenn mehr Leute mitmachten, die ein breiteres Spektrum unserer Gesellschaft abbildeten. Jenen, die sich für Themen interessieren, die von Utopie-Modellen aufgegriffen werden, liegt meist ohnehin viel an gesellschaftlicher Veränderung in Richtung einer gerechteren Welt, eines Gesellschaftssystems, das weniger auf Ausbeutung, Gier und Unfreiheit baut. Theoretisch jedenfalls. In der Praxis und Überzeugungsarbeit haben wir gewiss noch einiges zu werkeln, bis wir – annähernd – eine Welt haben, wie wir sie uns wünschen.

* Zur „Utopischen Nacht“ gibt es auf diesem Blog einen Bericht von Corinna Antelmann vom 13.10.2020.


Donnerstag, 15. Juli 2021

„Allein, es zählt die Kunst – Text und Musik im Echo V“

Künstlerinnen-Schicksale standen im Mittelpunkt des von der GAV veranstalteten Abends im Linzer Cellostudio unter dem Titel „Allein, es zählt die Kunst – Text und Musik im Echo V“. Corinna Antelmann las aus ihrem Roman „Drei Tage drei Nächte“, Judith Gruber-Rizy aus ihrem Roman „Schwimmfüchslein“ begleitet vom Geiger Tokio Takeutchi und dem Cellisten Christoph Ernst, die Kompositionen von Reinhold Glière spielten.





Irmgard Perfahl, 1921-2026, in Memoriam

Von Richard Wall    Foto: Reinhard Winkler   Ein Gedicht greift vieles auf und kleidet es in Worte die es bei aller Klärung als Rätsel be...