Mittwoch, 8. April 2020

Erich Klinger - Tag 17 der relativen Ausgangssperre.

Diesmal ein Text, dem vor allem Fotos aus meiner Wohnung beigefügt sind. 

Schön langsam fällt mir, auch nach der Plackerei mit den gestern fertig zu stellenden Sendungen, die Decke auf den Kopf.


Meine Freundin macht bereits - in bewährter Häfen-Manier - Kreuzerl auf ihrem Eichhörnchen-Fotos-Kalender, weil sie den Tag X, an dem wir wieder "ausroasn" dürfen, nicht erwarten kann.


Schön langsam beginne ich zu begreifen, wie die "neue Normalität"
aussehen wird, der wir uns in mehr oder minder absehbarer Zeit gegenüber sehen. Verstärkte Überwachung unserer Wege, mit oder ohne Rot-Kreuz-App, und behördlich verordnete Vermummung - auf längere Zeit.


Die "Wirtschaft" drängt auf Wiederöffnung der Geschäfte und Unternehmen, und, wenn ich mir den Salzburger Spielwarenhändler vor Augen führe, der gestern in einem Interview Klage darüber führte, dass er sein Geschäft geschlossen halten muss, während Großmärkte wie Spar nicht nur Lebensmittel, sondern auch Spielwaren verkaufen dürfen, verstehe auch ich, dass da etwas schief läuft.



Eine Schieflage orte ich auch darin, dass man unter der Prämisse, das Auto sei in Zeiten von Corona ein Hort der Sicherheit, zumindest bis jetzt wenig Anstalten macht, die Narrenfreiheit für Autofahrende hinsichtlich ihres Bewegungsradius einzuschränken.



Und da brauche ich gar nicht den automobilen Ansturm auf die Salzkammergutseen bemühen - wenn sich der Salzburger Landeshauptmann Haslauer darüber wundert, dass das Corona-Virus im Gasteinertal weniger punktuell als bisher, sondern flächendeckend Verbreitung findet, hat er offenbar nicht bedacht, dass auch jene, die mit dem Auto herumgurken, anstatt zu Hause zu bleiben, im Regelfall ihren "sicheren Kokon" auch wieder verlassen und dort, wo sie das tun, eben zur Verbreitung des Virus beitragen.


Und für meine Begriffe fahren auch in Linz noch immer zu viele Autos herum, und erzähle mir doch keine oder keiner, dass das alles berufsbedingte oder anderweitig plausible oder nötige Fahrten sind.


Man verzeihe mir, dass ich dem Automobil, dieser Entgleisung zivilisatorischer Errungenschaften, auch weiterhin wenig Freundliches entgegen bringe. Vielleicht sind ja für mich Autos bzw. die Autofahrenden das, was für den Kollegen F. Kanzler Kurz ist: ein beständiger Reibungspunkt, eine nie erlöschende Flamme des Zorns.


Was, wie von F. gefordert, ein Rücktritt des Kanzlers bringen soll, vermag ich allerdings nicht nachzuvollziehen.


Man sollte auch in Krisenzeiten mit Rücktrittsforderungen sparsam umgehen, um sich nicht einer gewissen Lächerlichkeit auszusetzen. Ob die Atemschutzmasken zur Verteilung an die Bevölkerung zu spät bestellt wurden und ob es nicht gescheiter wäre, die Masken mit der Post zu verteilen, vermag ich nicht zu beurteilen.


Auch weiß ich nicht, ob die türkis-grüne Bundesregierung der fröhlichen Virusverbreitung in Tirol rechtzeitig Einhalt gebieten hätte können, ob man weggeschaut hat oder keine Handhabe sah, das alles wird auch noch zu klären sein, jedenfalls orte ich die Rücktrittsreife eher in Tirol selbst als bei der Bundesregierung.


Und, nein, Kanzler Kurz und die vor allem türkise Selbstinszenierung der Regierung ist mir nicht sympathisch, ich halte Nehammer für einen Kickl in Türkis, und die Weigerung, bloß wenige Flüchtlinge von einer der griechischen Inseln aufzunehmen, wäre für mich ein stichhaltiger Grund für eine Rücktrittsforderung, die Arbeit der Regierung in Sachen Corona ist es bisher nicht.


Pragmatisch und plump gesagt: Man soll die Pferde nicht in der Mitte des Stromes wechseln, auch wenn es schlechte Pferde sind. Never change horses in the middle of the stream.



Und abschließend und ganz ohne verbogene Sentimentalität: ich vermisse euch alle, mir geht der "Neusprech" auf den Geist, von wegen "social distancing" und so weiter.

Liebe Grüße

Erich



Zu den Fotos: die meisten entstanden in der von mir gemieteten Wohnung bzw. vom nordwestseitigen Fenster aus. 

Die Außenfotos entstanden in der Stockhofstraße (Baumparade), auf der Aussichtsplattform unterhalb der Franz-Josefs-Warte (Zug der Mühlkreisbahn) und beim Kreisverkehr Stockhofstraße (diesmal mit Radfahrerin). 

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